Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europa-Parlament, Elmar Brok (CDU), sagte, Sanktionen dürften die immer noch möglichen Verhandlungen mit Iran über dessen Atomprogramm nicht behindern. Sie müssten jedoch zugleich zeigen, dass die Provokationen Teherans nicht hingenommen würden. Brok fügte in der der Berliner Zeitung hinzu, wenn sich die EU-Außenminister bei ihrem Treffen in Finnland auf eine gemeinsame Strategie einigten, "dann gibt es eine Chance, das auch in den USA durchzusetzen".

Die Frist, die der UN-Sicherheitsrat Iran gesetzt hat, die umstrittene Urananreicherung einzustellen, ist in der Nacht abgelaufen, ohne dass die Führung in Teheran die geringste Bereitschaft gezeigt hat einzulenken. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien konstatierte in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Bericht an den Sicherheitsrat vielmehr, dass Iran weitere Tests vorgenommen und den Aufbau einer weiteren Kaskade von Zentrifugen zur Urananreicherung fortgeführt hat. Auch habe Teheran nichts dazu beigetragen, noch offene Fragen im Zusammenhang mit seinem jahrzehntelang geheim gehaltenen Atomprogramm zu klären. Die USA fordern deshalb, dass der Sicherheitsrat jetzt rasch Sanktionen gegen das Land verhängt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich hatte sich demgegenüber schon am Donnerstag im Gespräch mit ZEIT online gegen eine Eskalation des Atomkonflikts gewandt. Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin lehnte Sanktionen zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls ab. "Es ist falsch und bedient die Bomben-Fantasien des Herrn Rumsfeld, wenn immer nur über Sanktionen geredet wird", sagte er. Es sei wichtiger, "endlich mit dem Iran zu reden". US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuletzt erklärt, die USA hätten das militärische Potenzial auch für einen Krieg mit Iran.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Gert Weisskirchen, forderte ebenfall neueVerhandlungen mit Teheran: "Die Diplomatie hat noch Spielraum." Für den FDP-Außenexperten Wolfgang Gerhardt liegen derzeit "in Teheran die selbst verschuldeten Trümmer amerikanischer Außenpolitik". Die Isolationspolitik gegenüber dem Regime in Iran sei misslungen. Wegen der unilateralen Vorgehensweise, "verbunden mit einem Irak-Desaster", sei auch die Abstimmung mit Russland und China nicht überzeugend, sagte Gerhardt. "Das alles kommt jetzt zusammen. Trotzdem: Es gilt immer wieder, neu miteinander zu reden."