Eine effektive Überwachung der libanesischen Küste sei nur möglich, wenn man nahe genug herankomme, sagte Walter Kolbow ZEIT online . Das Einsatzgebiet der deutschen Marine müsse auf die gesamte Zwölf-Seemeilenzone vor der Küste ausgedehnt werden. Bei einer engeren Grenze könne der Schmuggel von Waffen durch die radikal-islamische Hisbollah nicht ausreichend unterbunden werden. Das sei dann keine lückenlose Seeüberwachung. Man wolle diesen Auftrag aber effektiv ausfüllen, sodass der Waffenschmuggel wirklich unterbunden würde.

Ob Libanon sich darauf einlässt, ist aber höchst ungewiss. Denn eine der Bedingungen, die Beirut offenbar stellen will, lautet, die deutschen Schiffe müssten sieben Seemeilen von der Küste entfernt bleiben. Außerdem verlangt Beirut offenbar, dass zunächst die israelische Seeblockade aufgehoben werden müsse. Dies sagte zumindest ein Sprecher des libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora am Dienstag.

Ob dies aber auch so in dem Beschluss steht, den das libanesische Kabinett am Montagabend zum Einsatz der deutschen Marine im Libanon gefasst hat, ist jedoch ebenfalls nicht klar. Denn obwohl die Minister dem Engagement der Bundeswehr vor der libanesischen Küste prinzipiell zustimmten, wartet man in Berlin auch am späten Dienstagnachmittag noch immer darauf darauf, dass ein Schreiben mit den Details der Anforderung den Vereinten Nationen zugeht. Der Auftrag muss sich nämlich direkt an das Kommando der Friedenstruppe Unifil richten, nicht etwa an die Bundesregierung. Die Uno wird dann Berlin informieren.

Die Sache bleibt also weiter spannend, denn von den Details kann eine Menge abhängen, auch, wie die deutschen Parteien zu dem Einsatz stehen und wie sie im Bundestag abstimmen werden. Bislang gilt zwar die Zustimmung der Mehrheit der Abgeordneten der Großen Koalition als sicher. Dies könnte sich aber ändern, wenn die vom Libanon gestellten Bedingungen nicht dem entsprächen, was man in Deutschland erwartet.

Im libanesischen Kabinett waren vor allem die beiden Hisbollah-Minister zunächst gegen einen Einsatz der deutschen Soldaten. Angeblich, um die Souveränität des Libanon nicht zu gefährden. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass sie sich für restriktive Bedingungen eingesetzt haben.

Im israelischen Interesse ist es dagegen natürlich, dass die Kontrolle des Seeraumes möglichst vollständig und mit einem robusten Mandat ausgestattet ist. Das heißt, die deutschen Soldaten müssten sich notfalls auch mit Waffengewalt Zutritt zu den Schiffen verschaffen können, die sie kontrollieren sollen. Sollte der Libanon dies nicht erlauben oder eben auf der Sieben-Meilen-Grenze beharren, könnte es Israel seinerseits ablehnen, seine gegenwärtige Seeblockade aufzuheben.

Medienberichten zufolge soll das libanesische Kabinett jedoch wiederum die Aufhebung der Belagerung zur Bedingung für den Bundeswehreinsatz gemacht haben. "Wir gehen davon aus, dass die Blockade sich mit dem Eintreffen der deutschen Marine in der Region erledigt hat", sagt Kolbow zwar zuversichtlich. Doch wenn Israel seine Sicherheitsinteressen durch die Deutschen nicht ausreichend gesichert sieht, ist dies nicht selbstverständlich. Der deutsche Einsatz könnte sich dann weiter verzögern.

In jedem Fall nicht hinnehmbar wäre für Israel aber, wenn Beirut tatsächlich darauf beharren sollte, dass die Blockade zuerst aufgehoben werden müsse, bevor überhaupt eine offizielle Anforderung an die Uno gestellt werde. Da die deutschen Schiffe frühestens drei Wochen nach der Anfrage vor der libanesischen Küste eintreffen könnten, gäbe es in dieser Zeit gar keine Kontrolle. Die Schmuggler hätten also drei Wochen Zeit, um die Hisbollah mit neuen Waffen zu versorgen. Denkbar wäre höchstens, dass in dieser Zeit Frankreich die Sicherung des Seeraumes übernimmt. Die französische Marine ist bereits vor Ort.