Israel hat vor einem Beginn von Gesprächen über einen Gefangenenaustausch mit dem Libanon ein Lebenszeichen der beiden von der Hisbollah verschleppten Soldaten gefordert. Vorbedingung für Verhandlungen sei zudem, dass die beiden Israelis an die libanesische Regierung übergeben werden, zitierte die israelische Tageszeitung Jediot Achronot am Freitag ranghohe Regierungsvertreter in Jerusalem. Am Wochenende wurde BND-Chef Ernst Uhrlau nach libanesischen Informationen zu Gesprächen über einen Gefangenenaustausch in Beirut erwartet.
Der in den Gazastreifen verschleppte 19-jährige israelische Soldat Gilad Schalit (undatiertes Archivfoto). BILD

Israel werde sich nur auf Verhandlungen mit der Regierung in Beirut einlassen, um eine Freilassung der Soldaten nicht als Sieg für die Hisbollah erscheinen zu lassen, berichtete die israelische Zeitung. Der Sonderbeauftragte der israelischen Regierung für die Freilassung der Soldaten, Ofer Dekel, sei vor einigen Tagen auf einer als geheim bezeichneten Reise in Deutschland gewesen. Dies stehe in Zusammenhang mit der deutschen Vermittlung.

Uhrlau stehe an der Spitze einer Vermittlerdelegation, hatte die libanesische Zeitung Al-Safir am Donnerstag berichtet. Die meisten Mitglieder der Delegation hätten bereits geholfen, den letzten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah im Jahr 2004 zu organisieren.

Kämpfer der Hisbollah hatten die israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regew am 12. Juli bei einem Angriff auf israelischem Gebiet verschleppt. Die radikal-islamische Organisation verlangt für die Freilassung der Soldaten den Austausch gegen eine größere Zahl in Israel inhaftierter Mitglieder.

Für die Freilassung des von militanten Palästinensern entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit soll Israel unterdessen in drei Etappen insgesamt 1000 palästinensische Häftlinge freilassen. Dies sei der momentane Stand bei den Verhandlungen zwischen einer israelischen Delegation und ägyptischen Vermittlern in Kairo, berichtete die saudi-arabische Zeitung Okaz am Freitag unter Berufung auf arabische Regierungsbeamte. Von der Vereinbarung sollten aber weder die vier von den Israelis festgenommenen Minister der Hamas-Regierung noch die 29 Parlamentsabgeordneten profitieren. Auch der berühmteste palästinensische Gefangene, Fatah-Führer Marwan Barguti, werde nicht freigelassen.

Unterdessen gibt es in der israelischen Regierungskoalition Streit um die Untersuchung von Fehlern im Libanon-Krieg. Verteidigungsminister Amir Perez von der Arbeitspartei forderte am Freitag eine staatliche Untersuchungskommission mit erweiterten Befugnissen. Er ging damit auf Konfrontationskurs zu Ministerpräsident Ehud Olmert (Kadima), unter dessen Führung getrennte Untersuchungskomitees für das Militär und die politische Führung beschlossen worden waren. Perez selbst aber wurde am Freitag während einer Sitzung seiner eigenen Partei scharf kritisiert, er beuge sich dem öffentlichen Druck.