Diesmal wollte sich Friedbert Pflüger, sonst bei öffentlichen Auftritten nicht gerade eine Volkstribun, besonders locker geben. Als er den neuen Eigentümer der krisengeschüttelten und lange hoch verschuldeten Königlichen Porzellan Manufaktur Anfang vergangener Woche begrüßte, meinte der promovierte Politologe deshalb launig: "Da haben wir ja beide eine Mission impossible".

Der flott gemeinte Scherz des Niedersachsen ging kräftig daneben: Ein Spitzenkandidat, der seine eigene Aufgabe als unerfüllbar bezeichnet, und das mitten im Wahlkampf? Sogleich war Pflüger klar, dass das nur nach hinten losgehen konnte und wieder einmal gegen ihn verwendet werden würde. Deshalb bemühte er sich sofort, den Eindruck zu zerstreuen, er habe die Wahl schon abgeschrieben. Jeder, der den Film gesehen habe, wisse doch, dass der Held seine überaus schwierige Aufgabe am Ende erfolgreich meistere, beteuerte er.

Das Problem ist nur: Berlin ist nicht Hollywood und Friedbert Pflüger noch lange nicht Tom Cruise. Deshalb glauben nicht wenige in der Hauptstadt, dass der strebsame Christdemokrat die Wahrheit gesprochen hat und er selber nicht an einen Erfolg glaubt. Nun hat Pflüger zu dem Schaden wieder einmal den Spott. Und beide könnten am 17. September noch größer werden. Denn der CDU droht in der Hauptstadt ein erneutes Desaster. In den Umfragen liegen die Christdemokraten nur bei etwas über 20 Prozent, weit hinter der SPD. Wenn dem Spitzenkandidaten in den verbleibenden knapp zwei Wochen nicht noch etwas einfällt, könnte er noch schlechter abschneiden als sein Vorgänger vor fünf Jahren, der viel belächelte Ex-Teppichhändler Steffels. Der hatte auf dem Höhepunkt des Berliner Banken-Skandals enttäuschende 23,8 Prozent eingefahren und damit das schlechtes Wahlergebnis der Berliner CDU seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Dabei hat Friedbert Pflüger eine solch verheerende Niederlage gar nicht unbedingt verdient. Der Kandidat, im Hauptberuf Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und früher Sprecher des liberalen CDU-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, müht sich redlich. Er kämpft, er rackert, er ist seit Monaten in der Stadt dauerpräsent, tingelt über Stadtteilfeste und Laubenpieperpartys, er stemmt sich gegen den Bundestrend und erklärt den Berlinern, was diese von einem ordentlichen bürgerlichen Kandidaten erwarten: Pflüger klagt über das investitionsfeindliche Klima in Berlin, über die schlechte Bildungspolitik und er fordert bei der Kriminalitätsbekämpfung "null Toleranz".

Nur mit neuen und innovativen Ideen für die Stadt, mit denen er auch neue Wähler ansprechen könnte, glänzt er nicht. Vor allem aber hat Pflüger keinerlei Machtperspektive zu bieten, wie er die mit der Linkspartei recht harmonisch und durchaus erfolgreich regierende SPD ablösen könnte. "Berlin braucht den Wechsel", sagt er bei zwar jeder Gelegenheit, Rot-Rot sei ein "Armutsmodell", habe in der Arbeitsmarktpolitik versagt und verspiele die Zukunft der Hauptstadt. Aber mit wem will er eine andere Mehrheit bilden, da die FDP in Berlin eine zu vernachlässigende Größe ist? Gelegentlich, aber eher halbherzig, wirbt Pflüger für eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition. Und doch weiß er: weder die Grünen, geschweige denn die eigene Partei würden da mitmachen.

Pflüger wird also, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, die Abgeordnetenhauswahl krachend verlieren. Die bürgerlichen Wähler sind in der Stadt eine Minderheit , andere Wählergruppen hat er kaum angesprochen, und auch bei den Popularitätswerten liegt der Neu-Berliner weit hinter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit . Pflüger wird für die voraussichtliche Wahlschlappe den Kopf hinhalten müssen. Dabei sagt sie weniger über den Kandidaten als einiges über den desolaten Zustand der Berliner CDU aus. Dass sie ihren Vormann mit aller Kraft unterstützt, kann wirklich niemand behaupten.