Nach dem Auslaufen der Iran gesetzten Frist für eine Einstellung seiner Urananreicherung formieren sich in der deutschen Meinungslandschaft die Fronten. Da gibt es die Hardliner, die - ganz amerikatreu - schnelle Sanktionen fordern. Und da gibt es die Skeptiker und Nachdenklichen, die sich die bange Frage stellen, wohin das alles noch führen soll.

Zu Ersteren gehört, wie sollte es anders sein, die Zeitung, die immer weiß, wo es langgeht. "Der Iran ist verletzbar", schreibt die Bild -Zeitung apodiktisch. Und zwar wie? "Durch Wirtschaftsboykott? Ja! Wenn die Sanktionen schnell, hart und ohne Umwege beschlossen und umgesetzt werden!" Aber bitte: Bloß kein "endloses Palaver".

Ebenfalls eindeutig auf der Pro-Sanktions-Seite steht die Frankfurter Allgemeine Zeitung . "Auf Sanktionen sollte sich der Sicherheitsrat schon verständigen, sonst ist seine Glaubwürdigkeit ernsthaft beschädigt",  heißt es dort. "Einen Fehler sollte der Westen nicht begehen: aus Angst vor einem steigenden Ölpreis klein  beigeben." Immerhin, so hofft man in Frankfurt, seien die Iraner selbst viel zu abhängig von den Öleinnahmen, als dass sie von sich aus die Lieferungen einstellen würden.

Die Welt dagegen äußert grundsätzliche Zweifel daran, dass die von den Boulevard-Kollegen im eigenen Springer-Verlag geforderten harten Sanktionen überhaupt realisierbar sind. "Es ist unwahrscheinlich, dass das Ergebnis [im Sicherheitsrat] mit der von Washington geforderten harten Gangart korrespondieren wird." Auch die Stuttgarter Zeitung glaubt: "Einstweilen haben die Mullahs nicht viel zu befürchten. Maßnahmen, die das Land hart treffen, wären höchst riskant. Denn dann könnte Teheran den Atomsperrvertrag kündigen und die Inspektoren aus dem Land werfen."

Doch es gibt auch Stimmen, die grundsätzlich gegen Zwangsmaßnahmen sind, egal wie weich oder hart diese ausfallen. So schreibt die Frankfurter Rundschau : "Jeder Einsteig in Sanktionen enthielte bereits das Risiko einer sich mechanisch fortsetzenden Eskalation. Wer B sagt, muss eben auch bereit sein, irgendwann C zu sagen. Was aber soll C heißen? Die wachsende Isolation des Iran, bis hin zu einem vollständigen Wirtschaftsembargo gegen den viertgrößten Ölproduzenten der Welt? Oder doch irgendwann einmal Militärschläge?"

Diese Angst verbirgt sich im Grunde hinter allen Kommentaren. Steuern wir auf einen Krieg zu? Interessanterweise sind es gerade die Zeitungen, die am vehementesten starke Sanktionen befürworten, die diese Sorge am entschiedensten zu zerstreuen versuchen. "Krieg?" fragt etwa die Bild -Zeitung. "Kaum, denn wer soll angreifen? Die USA stehen schon in Afghanistan und Irak unter Beschuss."