"Sage mir, wie du heißt, und ich sage dir, wie sich dein Aktienkurs entwickelt" - das ist kein Hokuspokus, sondern die Quintessenz einer Studie, die unlängst im renommierten Fachblatt Proceedings der amerikanischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde. Die an der Universität Princeton tätigen Psychologen Adam L. Alter und Daniel M. Oppenheimer haben Probanden, denen die jeweilen Unternehmen nicht bekannt waren, zu ihrer Einschätzung von Aktien-Neuemissionen befragt.

Das Ergebnis: Die Teilnehmer trauten Unternehmen mit einem einfachen und einprägsamen Namen eine bessere Kursentwicklung zu als Unternehmen mit schwer zu behaltender Firmierung. Das wäre an sich noch keine Meldung wert, wenn die beiden Forscher nicht einen Schritt weiter gegangen wären und die Entwicklung der Aktienkurse in der Realität verfolgt hätten. Da zeigte sich nämlich, dass die Probanden in weiten Teilen richtig lagen: In den ersten Tagen nach dem Börsengang machten die Unternehmen mit einfachem Namen tatsächlich im Schnitt die besseren Gewinne.

Nun kann man gewiss nicht behaupten, die Psychologen hätten unsauber gearbeitet. Immerhin wurden die Daten von Firmen, die zwischen 1990 und 2004 an die New York Stock Exchange oder an die American Exchange gingen, ausgewertet. Feststellbar sei der statistische Effekt am stärksten direkt nach dem Börsengang, erst nach einem Jahr lasse der Unterschied spürbar nach. Wenn sich Informationen leichter verarbeiten und erfassen lassen, werden sie als glaubwürdiger eingestuft als komplexe Informationen, begründen Alter und Oppenheimer ihre Beobachtungen. Dies treffe offensichtlich auch auf die Firmierung zu.

Das reizt natürlich, eine ganz unrepräsentative Stichprobe zu machen und herauszufinden, ob das auch in Deutschland funktioniert. Bei den diesjährigen Börsengängen fallen zwei besonders komplizierte Namen ins Auge: die emQtec AG und die ItN Nanovation AG. emQtec ging am 14. Juli an die Börse, der Kurs dümpelte am Ende der ersten Handelswoche noch auf gleichem Niveau wie am ersten Handelstag. ItN Nanovation konnte hingegen nach einer Woche einen Kursgewinn von 8,5 Prozent verbuchen.

Nun zur Gegenprobe: Air Berlin und Wacker Chemie haben einprägsame Namen und sind im Frühjahr an die Börse gegangen. Wacker Chemie startete am 10. April und verzeichnete nach Ablauf einer Woche einen Verlust von 2,5 Prozent. Air Berlin schaltete ebenfalls gleich nach dem Börsendebut in den Sinkflug und notierte am Ende der ersten Handelswoche mit einem Minus von vier Prozent.

Die Auswahl ist natürlich pure Willkür und erhebt keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Aber auf die gleiche Weise findet die Auswahl der Aktienanleger bei Börsengängen statt - ebenfalls ziemlich willkürlich. Und dann zeigt sich, dass trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Amerika Namen Schall und Rauch bleiben.