Wahre Diven mussten jung und schön sein. Sie starben im Zweifel lieber früh, als alt auszusehen. Marilyn Monroe ist gerade mal 36 Jahre alt geworden. Romy Schneider 44. Nun neigen nicht alle Schauspielerinnen dazu, ihr Leben zu beenden, bevor sich die tiefen Falten ins Gesicht gegraben haben. Auch ändern sich die Zeiten und es wird ab und an eine attraktive Rolle für Frauen jenseits der 50 geben. Doch den meisten bleibt nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Ein Wechsel ins Mutterfach liegt den wenigsten. Eine schöne Ausnahme ist Lauren Bacall, die inzwischen 82 und auch in der Mutterrolle noch eine Diva ist. Marlene Dietrich, die deutsche Diva schlechthin, blieb jedoch konsequent. Sie lebte im Alter zurückgezogen in Paris. Als sie Maximilian Schell im Jahr 1983 - da war sie 82 - gestattete, sie in einem Dokumentarfilm zu porträtieren, zeigte sie nicht ein einziges Mal ihr Gesicht. Die Zuschauer dürfen nur ihre Stimme hören. Ganz anders die Frauen, um die es hier gehen soll. Um die piefigen Mütter, Großmütter und alten Ziegen aus dem deutschen Fernsehen. Ihre Darstellerinnen können gerade das besonders gut. Wir erinnern uns meist gar nicht an sie als junge Frauen. Zum Tod von Annemarie Wendl alias Else Kling aus der Lindenstraße ehren wir die Runzeln.

Annemarie Wendl - Hausdrache91 Jahre alt ist Annemarie Wendl geworden. Sie starb am Sonntag in München. Wendl war die Kultfigur Else Kling in der „Lindenstraße“. 21 Jahre lang spielte sie diese Rolle mit Kopftuch und Kittelschürze. Else Kling war zwar Kult, aber nicht sympathisch: Sie war die zänkische Hausmeisterin, die gegen Schwule und Ausländer ebenso hetzte wie gegen Ehebrecher. Sie misshandelte ihren Mann Egon mit dem Blumenstrauß, den er der verehrten Nachbarin schenken wollte. Sie schlich aus Neugier in fremde Wohnungen und quartierte einen Alt-Nazi bei sich ein. Am Ende musste Annemarie Wendl Else Kling sterben lassen, weil sie selbst zu krank war, um weiterzumachen. Else Kling schaut sich im Fernsehen ihre Lieblingsserie an und folgt einer sanften Stimme in ein warmes, helles Licht. Und ist tot. Wie muss es wohl für die Schauspielerin gewesen sein, den eigenen Tod vorwegzunehmen? Vor der „Lindenstraße“ war Annemarie Wendl vor allem Theaterschauspielerin. Richtig berühmt wurde sie erst als alte Frau.

Inge Meysel - Mutter der NationInge Meysel war berühmt dafür, so zu reden, wie ihr der Mund gewachsen war. Nach der Nazi-Zeit habe sie beschlossen, sich „nie im Leben wieder etwas bieten lassen zu müssen“ - ihre raue Art diente als Selbstschutz. Noch im hohen Alter kokettierte sie gerne mit anzüglichen Bemerkungen und brachte manchen gestandenen Fernsehmoderator zum Erröten. Geboren wurde sie 1921 im heutigen Berlin-Neukölln. Die ersten Schritte als Schauspielerin machte sie in Zwickau, Berlin und Leipzig. Während der Nazi-Zeit hatte sie Berufsverbot, da ihr Vater Jude war. Die Familie überlebt in einem Versteck. Zur „Mutter der Nation“ wurde sie 1959 durch das Volksstück „Fenster zum Flur“. Danach brillierte sie in unzähligen Fernsehrollen und äußerte sich oft zu gesellschaftlichen Themen. Ihren letzten Auftritt hatte sie, bereits unter Demenz leidend, 2004 in der Folge „Der letzte Wille“ der Krimiserie „Polizeiruf 110“. Wenige Monate später, am 10. Juli 2004, verstarb Inge Meysel in Hamburg.

Elisabeth Volkmann - Mama ErotischDie meisten kennen Elisabeth Volkmann nur aus der 70er-Jahre-Klamauk-Serie Klimbim. Sie spielte die schrille Mutter der Familie: Jolanthe von Scheußlich. Sie war zwar damals nicht wirklich alt - noch keine 40 - aber schon auf die Mutterrolle festgelegt. Doch auf eine sehr spezielle: Sie trat in Strapsen und Lockenwicklern auf und schmetterte enervierenderweise Opernarien. Vorher spielte sie in vielen Erotikfilmen mit vordergründig politischem Anspruch mit. Doch auch Rainer Werner Fassbinder engagierte sie für seine Filme. Nach Klimbim trat sie in vielen bekannten Fernsehserien auf, beispielsweise in Derrick. Sie starb im Juli diesen Jahres in München.

Eva Maria Bauer - KrankenschwesterEva Maria Bauer fand erst mit über 60 ihr Publikum. Die gebürtige Hamburgerin begann auf den Provinzbühnen von Oldenburg und Leer und schaffte es im Anschluss bis ins Ensemble des Hamburger Thalia-Theaters. Ihre große Rolle hatte sie als Schwester Hildegard in der Erfolgsserie „Die Schwarzwaldklinik“. Im Anschluss wurde sie immer wieder in Fernsehserien besetzt. So zum Beispiel In „Derrick“, „Der Alte“, „Traumschiff“, „Der Landarzt“ und in der erfolgreichsten deutschen Fernsehserie „Der König von St. Pauli“ von Dieter Wedel. Eva Maria Bauer starb am 17. Mai in Hamburg Wandsbek.

Brigitte Mira - Oma CoolDie Wahlberlinerin wurde erst mit 62 zum Star. In Rainer Werner Fassbinders Film „Angst essen Seele auf“ spielte sie 1972 eine gealterte Putzfrau, die sich in einen 20 Jahre jüngeren Araber verliebt und ihn heiratet. Als Auszeichnung für diese Rolle wurde sie mit dem deutschen Fernsehpreis geehrt. Zwei Jahre später startete die Fernsehserie „Drei Damen vom Grill“ - eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat Berlin. Die Mira spielte eine gestandene „Omi“ und verkörperte mit ihrer herzlichen Art und dem lockeren Mundwerk das West-Berliner Lebensgefühl. Vor dem Krieg arbeitet Brigitte Mira in verschiedenen Theatern in Bremerhaven, Graz und Kiel. Später war sie vor allem in den Berliner Kabaretts zu sehen und immer wieder hatte sie kleinere Filmrollen. Ihre Karriere dauerte insgesamt mehr als 80 Jahre. Brigitte Mira starb im März 2005 und wurde auf dem Friedhof am Fürstenbrunner Weg in Berlin Charlottenburg beigesetzt.