Radio NationalHeiß war es in diesem Sommer nur während der WM. Schon als der letzte ausländische Sender seine Kabel eingerollt und der letzte englische Fan seinen Rausch ausgeschlafen hatte, war Deutschland wieder grau und resigniert. Wir schauen zurück auf den deutschen Mediensommer, als Politiker versuchten, sich die deutschlandweite Partystimmung zunutze zu machen und mit waghalsigen Forderungen die Schlagzeilen zu erobern. Die schönsten Beispiele für das, was uns in diesem Sommer - außer Fußball - bei Laune gehalten hat, gibt es in der großen Sommerloch-Bilderschau. Zuerst Jörg Schönbohm: Der brandenburgische Innenminister und General a.D. schlug vor, den Berliner Sender "Radio Multikulti" in "Radio Schwarz-Rot-Gold" umzubenennen. Befeuert durch die WM-Euphorie wähnte er für seine Pläne das Volk hinter sich. Heute kräht danach kein Hahn mehr...

Bitte einmal rechts ran!"Die Vignette kommt 2008" verkündete der bayrische Innenminister Günther Beckstein. Er sorgte damit auch bei seinen österreichischen Nachbarn für sorgenvolle Blicke. Pro Jahr und PKW sollten nach Becksteins Plänen 100 Euro fällig werden, um mit den Einnahmen die Mineralölsteuer zu senken. "Wenn schon eine PKW-Maut in Deutschland kommt, dann soll sie auch für alle Bundesländer gelten", meinte der österreichische Verkehrsminister Hubert Gorbach. Keine Angst, Herr Gorbach, sie kommt nicht!

Problembären"Ein Tier muss her. Wir brauchen Emotionen!" Deutschen Boulevard-Redakteuren stand der Schweiß auf der Stirn. Der Sommer lag vor ihnen und es gab keine Storys. Das Flehen wurde erhört als Bruno die Grenze zu Deutschland überquerte und sich an einem Hühnerstall verging. "Ein ausgesprochener Prrrrromblembär", raunte Edmund Stoiber. "Stimmt gar nicht! Der Bär ist gerade in der Pubertät!" antworteten Tierschützer. Man solle Jugendstrafrecht anwenden und erziehend auf das Raubtier einwirken. Doch Stoiber duldete keine Halbstarken in seinem Territorium und ließ den Bär waidgerecht erlegen.

Kinder, Kinder!Der Plan war perfekt, fast perfekt. Die meisten Parlamentarier-Kollegen waren im Urlaub und die Redaktionen lechzten nach Schlagzeilen. Da offenbarte Ronald Pofalla seine Pläne zur Sanierung der sozialen Sicherungssysteme. Kinder müssen für ihre arbeitslosen Eltern ran. "So undankbar kann ja keiner sein, dass er seine Eltern hängen lässt", dachte Pofalla sich und schickte gleich seinen Zeitplan mit. "Schon im Herbst" wollte er seine Vorschläge in Gesetze gießen lassen - wenn es nach ihm ginge. Ja, wenn es nur nach ihm ginge.

Der rote JürgenWas wäre ein echter Sommer ohne Jürgen Rüttgers? Der Schöpfer des Klassikers "Kinder statt Inder" und Ministerpräsident von NRW widmete sich der programmatischen Neuausrichtung seiner Partei. Sie solle sich endlich von ihrer Lebenslüge verabschieden und ihre sozialen Wurzeln neu entdecken. Schluss mit kapitalistisch - mehr Marx, weniger Merkel. "Warum nur?", fragte sich der erstaunte Zaungast, "in NRW wird doch erst in drei Jahren gewählt". Wir werden es nicht erfahren, denn Rüttgers hat flugs die Schublade wieder zu geschoben und die Programmdebatte beendet.

Auf Du und Du mit der "Bild" Das Wir-Gefühl der WM war überwältigend. Die Bild -Zeitung stellte fest: Wir Deutschen sind ja gar nicht so steif. Warum also immer dieses förmliche SIE, warum nicht gleich so umgänglich wie die Spanier, die Engländer oder so entspannt wie Dieter Bohlen, der sogar Polizisten duzt? "Du, Professor" klingt einfach gut, meinte Bild . Und forderte das neue DU-Gefühl. Doch die WM ist vorbei, der Dieter hat 'ne neue Freundin und die Bild deshalb ein neues Thema.