Begrenzt geschützt

Je kriegerischer der Konflikt in Afghanistan wird, je mehr Einsätze die Bundeswehr übernehmen soll, desto dringlicher wird die Frage, ob die deutschen Streitkräfte für die Konflikte auch ausreichend gerüstet sind.

Alarmierend ist vor allem die Entwicklung der Lage in Afghanistan . Sie hat dazu geführt, dass Verteidigungsminister Jung schon vor einiger Zeit die Weisung herausgegeben hat, dass die Truppe dort nur noch mit „geschützten Fahrzeugen“ ausrücken darf und außerdem jegliche Besuche zu untersagen sind.

Doch was sind „geschützte Fahrzeuge“? An anderer Stelle hatte Franz Josef Jung sich zu der Aussage hinreißen lassen, dass 50 Prozent der im Auslandseinsatz befindlichen Fahrzeuge der Bundeswehr „geschützt“ seien. Bei näherer Betrachtung fällt indes auf, dass der Minister jedes Gefährt dazugerechnet hat, das minimalen Anforderungen an den Schutz ballistischen Beschuss erfüllt. Legt man hingegen das Schutzniveau zugrunde, das von den Fachleuten des Heeres gefordert wird, sind gerade einmal 18 Prozent des Fahrzeugbestandes in den Einsatzländern „geschützt“.

Das wird auch nicht bald besser werden. Das Rüstungsprogramm GFF/GTF (Gepanzerte Führungs-, Funktions- und Transportfahrzeuge), das Abhilfe leisten soll, sprengt den bisher gültigen Finanzrahmen der Truppe und kann frühestens im Jahr 2008 zu ersten Bestellungen bei der Industrie führen. Bis dahin prüft die “Wehrtechnische Dienststelle für Kraftfahrzeuge und Panzer” (WTD 41) in Trier die Kandidaten in den verschiedenen Fahrzeugklassen - und unterdessen suchen die Haushälter im Ministerium nach dem Geld für diese Fahrzeuge. Ehe ein wahrnehmbarer Effekt entstehen kann, wird die Dekade zu Ende sein.

Ähnliches gilt für die hochmodernen Flugabwehrraketen, mit denen der Infanterist in Zukunft auf anfliegende Projektile wie Mörsergranaten oder Katjuschas schießen können soll, und ebenso für neue Panzerungstypen, die gegen Straßenbomben und Heckenschützen Schutz bieten sollen – technisch alles plausibel, doch bis zur Auftragserteilung (und gar Finanzierung) ist es noch ein langer Weg.

Begrenzt geschützt

Hinzu kommen die Risiken des spezifisch deutschen Ansatzes, die „hearts and minds“ im Einsatzland zu gewinnen. Der Schutzfaktor eines Fahrzeuges verliert schließlich seine Bedeutung, sobald ein deutscher Soldat als fröhliches Winkemännchen sein Fahrzeug verlässt. Sein persönlicher Schutz gegen Attacken aller Art ist, vorsichtig ausgedrückt, eher durchlässig.

Hinter alledem verbirgt sich ein prinzipielles Problem. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, fordert zwar in seinem autoritativen „Bundeswehrplan 2007“ die „strikt einsatzorientierte Neuausrichtung“ der Bundeswehr. Doch seinem Rat wird nicht wirklich gefolgt. Betrachtet man die Prioritäten der zur Vorlage im Haushaltsausschuss des Bundestages gebrachten Beschaffungsvorhaben, dann richten sich die meisten eben doch darauf, Fähigkeiten im klassischen Kriegseinsatz zu verbessern und nicht auf die wachsende Zahl der Peacekeeping-Missionen.

Das aber bedeutet: Die ohnehin knappen Mittel werden falsch eingesetzt – zu Lasten der Soldaten, die Leib und Leben einsetzen. Ihr Risiko, da mag der Wehrbeauftragte noch so mahnend den Finger erheben , wird von der Politik leider nicht ernst genug genommen.

Der Rüstungsexperte Michael Forster betreibt die Website " Geopowers ". Wenn Sie über aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen auf dem Laufenden sein wollen, besuchen Sie auch unser " Kosmoblog ".

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