Fahnder in Bayern stellten am Freitag nochmals bis zu 80 Tonnen verdorbene Ware sicher. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, ob deutsches Gammelfleisch nicht nur in alle Bundesländer, sondern auch in EU-Staaten geliefert wurde.

In Bayern flog ein zweiter Händler auf: Allein in Räumen seines Unternehmens in Passau, Regensburg und Metten beschlagnahmte die Polizei nach eigenen Angaben gut 40 Tonnen Fleisch, das teilweise seit drei Jahren lagerte.

Nach Behördendarstellung gibt es Anhaltspunkte, dass vergammelte Ware des verdächtigen Münchner Fleischhändlers, der am Donnerstag Ziel einer Razzia war, auch in Staaten der Europäischen Union (EU) verkauft worden ist. Erste Untersuchungen bestätigten den Verdacht auf Gammelfleisch. "17 der 20 Proben schienen nach dem Auftauen grünlich oder Ekel erregend", hieß es. Der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Volker Hingst, hatte aber auch eine frohe Kunde für die Verbraucher: Bei den ersten stichprobenhaften Untersuchungen des Fleischs seien keine Hinweise auf Gesundheitsschädlichkeit ermittelt worden. Er sagte: "Das ist aber zu trennen von der Frage, ob die Proben verdorben waren oder nicht."

Ein Sprecher der Stadt München berichtete, die Bundesländer und Brüssel seien darüber informiert worden, dass der verdächtige Unternehmer offenbar ganz Deutschland und EU-Staaten beliefert habe. Seinen Worten nach wurden bei dem Händler am Freitag nochmals 30 bis 40 Tonnen verdächtiges Entenfleisch sicher gestellt. Am Donnerstag waren bei ihm rund zehn Tonnen Döner-Spieße beschlagnahmt worden. Neben Auffälligkeiten wie alter, muffiger oder ranziger Geruch, hafteten den Dönerspießen teilweise Birkensamen an, wie Hingst berichtete. "Das ist zum Verzehr durch den Menschen nicht geeignet." Nach Behördenangaben war das Fleisch teilweise mehr als vier Jahre über dem Verfallsdatum. Der Betrug war nach einem anonymen Hinweis aufgedeckt worden.

Der zweite verdächtige Händler geriet nach einem Hinweis aus der Bevölkerung ins Visier der Fahnder. Laut Polizei gibt es nach ersten Erkenntnissen keinen Zusammenhang zwischen beiden Fällen. Untersucht wird jeweils, ob und in welchem Umfang verdorbene Ware in die Geschäfte kam. Indizien sprechen den Ermittlern zufolge dafür, dass Gammelfleisch die Läden erreichte.

"Die Frage ist jetzt, ob das Fleisch genussfähig ist oder nicht", sagte ein Polizeisprecher. Die Untersuchungen dauerten an. In Regensburg lagerten Angaben lokaler Medien zufolge fast 40 Tonnen Fleisch verschiedenster Art, das über Holland nach Hongkong verschifft werden sollte. Ein bereits beladener Transporter sei rechtzeitig gestoppt worden.