Nach dem jüngsten Skandal um verdorbenes Fleisch in Bayern werden die Stimmen nach härteren Strafen für Lebensmittelbetrüger immer lauter. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) forderte die Gerichte auf, das Strafmaß voll auszuschöpfen. Anbieter von Gammelfleisch sollen des Weiteren öffentlich an den Pranger gestellt werden. "Wer schlechtes Fleisch in Umlauf bringt, soll öffentlich genannt werden". Seehofer kündigte an, das Verbraucher-Informationsgesetz entsprechend zu ergänzen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Bärbel Höhn, sprach sich derweil dafür aus, Unternehmer, die Gammelfleisch verkauften, mit Haft zu bestrafen. "Die schwarzen Schafe der Fleisch-Branche gehören ins Gefängnis", sagte sie in der Montags-Ausgabe der Bild-Zeitung. Auch unverdorben sehen Dönerspieße nicht gerade lecker aus.© Frank May/dpa

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gert Sonnleitner, forderte darüer hinaus ein lebenslanges Berufsverbot für Lebensmittel-Betrüger. Die gleiche Forderung äußerte auch der agrar- und verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann. Das eine größere Abschreckung nötig sei, sagte auch Landesverbraucherschutzminister Werner Schnappauf am Montag in der ARD.

Bauernpräsident Sonnleitner forderte, dass Namen und Firmenbezeichnung der überführten Täter veröffentlicht werden sollten. Die Strafen von derzeit maximal 20.000 Euro seien zu niedrig und müssten „drastisch erhöht werden“, sagte der Bauernpräsident.

Die immer neuen Skandale in der Lebensmittelindustrie seien Ausdruck mangelnder Koordination der Kontrollen, sagte FDP-Sprecher Goldmannn. Bärbel Höhn kritisierte Seehofer: "Herr Seehofer hat versagt. Angeblich ist vor zehn Monaten jedes einzelne Kühlhaus untersucht worden - und jetzt wird vier Jahre altes Fleisch gefunden. Da wurde nicht gründlich hingesehen", so Höhn.

In der vergangenen Woche waren fast 100 Tonnen verdorbenes Fleisch in Großhandelsbetrieben in München und Niederbayern sichergestellt worden. Inzwischen wurden auch zwei Betriebe in Niedersachsen überprüft. Die Ergebnisse der Untersuchungen stehen noch aus.

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