Das Regime in Teheran hat das Ultimatum des UN-Sicherheitsrates verstreichen lassen. Es wird weiter Uran anreichern und sich damit der Möglichkeit annähern, eine Atombombe zu bauen. Nicht wenige glauben, dass diese Krise in einen Krieg führen wird. US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld jedenfalls spricht schon so, als befände er sich knapp davor, Iran zu bombardieren. Dabei kann diese Krise noch gelöst werden. Es gibt noch Wege, die nicht beschritten worden sind – vielversprechende Wege. Dazu muss man zunächst folgendes festhalten: Bisher ist nicht nachgewiesen worden, dass Iran eine Bombe baut. Es gibt viel Grund zum Misstrauen gegenüber Teheran, aber keine schlüssigen Beweise.

Unter der Annahme, dass das Regime die Atombombe bauen will, stellt sich die entscheidende Frage: Warum sollte Iran das tun wollen? Der Preis für eine iranische Bombe kann immerhin sehr hoch sein. Sanktionen, Isolation und Krieg drohen dem Land. Warum also?

Eine Antwort lautet, dass Mahmud Ahmadineschad ein Spinner ist, der einen Weltenbrand auslösen will, um den Weg für die Wiederkehr des Mahdi, des schiitischen Erlösers, zu bereiten. Diese Erklärung passt zum Begriff Islamofaschismus, der neuerdings Konjunktur hat.

Wahrscheinlicher aber ist, dass Teheran nach rationalen Kriterien handelt. Das Regime will den Status quo bewahren, sprich: sich an der Macht halten. Und zweitens will es – wenn sich die Chancen ergeben ­­­ - weiter Einfluss in der Region gewinnen. Vermutlich sind Teile des Regimes zu dem Schluss gekommen, dass diese Ziele am besten mit einer Nuklearwaffe zu erreichen wären.

Es wäre nun ratsam, dass man Teheran die Möglichkeit eröffnete, beides ohne eine Bombe erreichen zu können. Das hieße aber, dass die USA damit aufhören müssten, das Land dauernd zu bedrohen. Sie müssen dafür nicht etwa normale Beziehungen aufnehmen. Das wäre gewiss das falsche Signal. Auch sollte das alles nicht zum Nulltarif angeboten werden. Doch es reichte schon, wenn man ausschlösse, Iran mit Nuklearwaffen anzugreifen. Gleichzeitig könnte man auch sagen, dass man einen Regimewechsel nicht anstrebt.

Auf den ersten Blick klingt das unerhört. Ist es aber nicht. Die USA haben ebendies schon mit einem nicht weniger gefährlichen Regime getan: mit Nordkorea.