Die Lohnkosten in Deutschland wachsen, allerdings steigen sie im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich. Dies geht aus der Arbeitskostenberechnung des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum 2000 bis 2004 hervor, die am Donnerstag vorgestellt wurde. "Wir bremsen auf hohem Niveau", sagte Präsident Johann Hahlen. Nach der Erhebung betrug 2004 der Preis einer durchschnittlichen Arbeitsstunde im Jahr 28,18 Euro. Um 2,5 Prozent waren die Kosten von Jahr zu Jahr gestiegen. Europaweit wuchsen die Arbeitskosten jährlich um 2,8 Prozent. Arbeit wird in Deutschland im europäischen Vergleich also etwas billiger. Spitzenreiter sind Dänermark und Luxemburg mit jeweils 3,7 Prozent pro Jahr.

Der Arbeitgeberanteil der Lohnnebenkosten stieg im Vergleichszeitraum allerdings überdurchschnittlich auf zuletzt gut 33 Prozent des Gehalts. Allein die Aufwendungen für die betriebliche Altervorsorge nahm 7,9 Prozent zu. Die Statistiker machen dafür das 2002 in Kraft getretene Altervermögensgesetz verantwortlich - besser bekannt als Riesterrente.

Johann Eekhoff, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, bemängelt, dass in der Statistik die Arbeitnehmerperspektive ausgeblendet werde. Von der durchschnittlichen Lohnsteigerung bleibe im Portemonnaie der Arbeiter und Angestellten fast nichts übrig. Da auch der Nebenkostenanteil der Arbeitnehmer gestiegen sei, hätten sie von der Lohnsteigerung keinen realen Gewinn.

Die Erhebung ergab weiterhin, dass in kleineren Unternehmen durchschnittlich geringere Löhne gezahlt wurden. Während in Betrieben mit 1000 und mehr Mitarbeitern durchschnittlich Arbeitskosten von 37,37 Euro fällig wurden, betrugen die Kosten in Firmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen zehn und fünfzig nur 21,44 Euro pro Stunde, umgerechnet 52 Prozent. Im Jahr 2000 waren es noch 54 Prozent, 1992 noch 64 Prozent.

Die Arbeitskostenerhebung wird alle vier Jahre veröffentlicht. Ingesamt wurden 30.000 Industriebetriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern befragt.

Alle Daten finden Sie hier.