Die Tories wissen sich angesichts des Aufruhrs bei Labour vor Freude kaum zu fassen. " Oh, what a beautiful morning " heißt es jubilierend auf dem "Toryblog", während es David Cameron staatsmännisch dabei belässt, eine handlungsfähige Regierung anzumahnen. Wobei er klarmacht, dass von diesem zerstrittenen Haufen nichts zu erwarten sei. Man kann die gar nicht so klammheimliche Schadenfreude der Konservativen nachvollziehen. Ob die Labourparty nun einen kollektiven "Nervenzusammenbruch" erlitt oder sich kurzzeitig einem "Augenblick des kollektiven Wahnsinns" hingab – Historiker werden angesichts dieser Episode nur den Kopf schütteln.

Da versucht ein Teil der Regierungspartei einen Premier aus dem Amt zu treiben, der ihr drei Wahlsiege beschert hat, wobei der letzte Erfolg gerade mal 16 Monate zurückliegt. Die wirtschaftliche Verfassung des Landes ist immer noch erstaunlich gut; die öffentlichen Dienstleistungen haben sich verbessert und, anders als Margaret Thatcher, die "immer weiter" machen wollte, hatte Tony Blair seine Absicht klargemacht, vor Ablauf der Legislaturperiode zurückzutreten. Warum also die plötzliche Hast, ihn loszuwerden?
Diese Frage hat allen voran Gordon Brown zu beantworten. Es ist unklar, ob er die offene Revolte gegen Blair initiiert hat oder ob der kollektive Rücktritt von acht Ministergehilfen tatsächlich "spontan" zustande gekommen ist. Doch hätte er den Aufstand zumindest durch ein klares Wort zur rechten Zeit abblasen können. So wurde auch er beschädigt, ohne sein Ziel erreicht zu haben.

Beide Protagonisten sahen sich gezwungen, einem Waffenstillstand zuzustimmen. Der eine, Blair, aus Furcht, andernfalls von seiner Partei davongejagt zu werden. Der andere, Brown, weil er plötzlich der Gefahr gewahr wurde, als Königsmörder dazustehen, als Mann, der Blut an den Händen hat.

Der Premier machte ein Zugeständnis an die Rebellen in seiner Partei, die in den letzten Tagen entweder seinen sofortigen Rücktritt gefordert, oder von ihm ein verbindliches Datum dafür verlangt hatten. Der nächste Parteitag werde sein letzter sein als Parteichef. Binnen der nächsten zwölf Monate wird er sein Amt niederlegen. Doch weigerte sich der Premier, ein Datum zu nennen. Das sei allein seine Sache.

Blair beließ es nicht dabei. Vor aller Öffentlichkeit entschuldigte er sich für seine Partei. Dies sei "nicht ihre feinste Stunde gewesen". Auch erinnerte er Labour daran, dass er erst vor achtzehn Monaten ein Mandat gewonnen hatte, als er sagte, die Wähler sollten nicht als irrelevante Zuschauer behandelt werden in einer so wichtigen Frage, wer ihr Regierungschef sei.

Wenig später trat Gordon Brown vor Mikrofone und Kameras. Seine kurze Ansprache war eine höchst doppeldeutige Angelegenheit. Er habe stets gesagt und dies Blair gegenüber erneut betont, dass die Entscheidung, wann er zurücktreten werde, allein seine Sache sei. Doch fügte er vielsagend hinzu, dass es dabei nicht um ein privates Arrangement gehen solle, sondern es auf das Interesse von Partei und Nation ankomme. Ein erstaunlicher Satz aus dem Munde eines Mannes, der letztlich nichts mehr verlangte als ein privates Arrangement, das ihm rasch und verbindlich die Macht aushändigte.