Bundeskanzlerin Merkel unterrichtete am Morgen die Vorsitzenden aller Bundestagsfraktionen über die Einzelheiten der Einsatzplanung, auf die sich die Bundesregierung am Dienstag nach zähen Verhandlungen mit der libanesischen Regierung und den Vereinten Nationen geeinigt hatte. Danach wird die Bundeswehr im Rahmen der UN-Friedenstruppe  mit einem "robusten Mandat" ausgestattet, das ihr die Durchsuchung verdächtiger Schiffe und die Kontrolle auch in unmittelbarer Küstennähe ermöglicht. Das war längere Zeit umstritten. Die Regierung in Beirut wollte zunächst, dass die Bundesmarine nur bis zu sieben Seemeilen vor der Küste kontrolliert. Dies hätte aber kaum ausgereicht, um effektiv einen Waffenschmuggel zu der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz unterbinden zu können, was das Hauptziel des Bundeswehreinsatzes ist.

Noch nicht klar ist, wie viele Soldaten die Bundeswehr für ihren aktuell neunten Auslandseinsatz in Marsch setzt. Im Gespräch sind 2000 bis 3000 Mann. Deutschland hat die Führung des internationalen Marineverbandes angeboten. Die exakten Zahlen, welches Land wie viele Soldaten für die UN-Friedensmission zwischen Israel und Libanon abstellt, sollen nach einer weiteren Truppensteller-Konferenz heute in New York feststehen.

Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zeigten sich zufrieden mit den Einsatzbedingungen. "Damit können wir gut leben", sagte Jung der Leipziger Volkszeitung. Steinmeier sagte: "So detaillierte Einsatzregeln, wie sie zwischen dem Libanon, der UN und Deutschland vereinbart worden sind, gab es vermutlich noch nie." Der nun festgelegte "kooperative Führungsansatz" entspreche voll und ganz den Interessen des Libanon und der Bundesrepublik. Die Einsatzbedingungen für den Libanon seien "ganz anders und viel besser" geregelt als beispielsweise für den Anti-Terror- Einsatz der Bundeswehr am Horn von Afrika. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, sagte: "Die Dinge, die uns Sorgen gemacht haben, sind ausgeräumt. Das Mandat wird funktionieren."

Die FDP lehnt den Einsatz im Schulterschluss mit der Linkspartei ab. Die Grünen stellten dagegen ihre Zustimmung in Aussicht. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte der ARD: "Es muss ein realistisches Mandat sein." Es müsse ausgeschlossen sein, dass deutsche Soldaten auf Israelis schießen. Eine weitere Bedingung sei ein politischer Plan für die Befriedung der Konfliktregion. "Dann schließe ich nicht aus, dass wir zustimmen", sagte Kuhn.

Die Regierung will dem Bundestag außerdem eine weitere Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz vorschlagen. Die Bundeswehr ist dort seit fast fünf Jahren und beteiligt sich derzeit mit 2900 Soldaten an der Internationalen Schutztruppe ISAF. Über die Afghanistan-Mission stimmt der Bundestag Ende September ab, über den Nahost-Einsatz voraussichtlich in der nächsten Woche.