In den Geheimgefängnissen des Geheimdienstes sei eine kleine Zahl der gefährlichsten Terroristen festgehalten worden, sagte Bush am Mittwoch in Washington - nach Angaben des Weißen Hauses "weniger als 100". Die 14 Mitglieder der Führungsriege des Terrornetzwerkes al-Qaida seien jetzt aus dem CIA-Gewahrsam in das US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba gebracht worden. Dort würden die Gefangenen nach dem neuen Feldhandbuch der US-Armee behandelt und vor Gericht gestellt.

Bush verteidigte das geheime CIA-Programm. Mit ihm seien viele Mitglieder des Terrornetzwerkes festgenommen und "potenzielle Massenmörder" der Straße fern gehalten worden. "Es (das Programm) ist von unschätzbarem Wert für Amerika und für unsere Alliierten", sagte Bush. "Das Programm hat Leben gerettet."

Nach Angaben des Weißen Hauses wird in den Spezialgefängnissen derzeit niemand mehr festgehalten. Das CIA-Programm soll aber beibehalten werden.

Bush forderte den US-Kongress auf, klare Regeln zu verabschieden, damit US-Ermittler nicht von mutmaßlichen Terroristen verklagt werden könnten. Weiterhin müsse der Kongress regeln, welche Praktiken laut US-Gesetz als Kriegsverbrechen gelten. Bush wiederholte frühere Erklärungen, wonach die Vereinigten Staaten nie Folter angewendet hätten und nie anwenden würden.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte mit einem Urteil vom Juni die Bush-Regierung zu einer Abkehr von ihrer bisherigen Politik im Umgang mit mutmaßlichen Terroristen sowie radikalen und militanten Muslims gezwungen. Bush kündigte deshalb an, dass künftig alle 455 in Guantánamo Bay Festgehaltenen den Bestimmungen des neuen Feldhandbuchs der US-Armee sowie Artikel 3 der Genfer Konventionen unterliegen. Dieser Artikel schreibt fest, dass Gefangene unter allen Umständen mit Menschlichkeit behandelt werden müssen. Angriffe auf Leib und Leben sowie grausame Behandlung und Folter sind ebenso verboten wie erniedrigende und entwürdigende Behandlung.

Das Verteidigungsministerium veröffentlichte mit einjähriger Verspätung parallel zur Bush-Rede das neue Feldhandbuch. Danach sind Praktiken verboten, die beispielsweise beim Folter- und Missbrauchskandal im US-Militärgefängnis von Abu Ghraib nahe Bagdad angewendet wurden. Bei Verhören wird US-Sicherheitskräften nun ausdrücklich verboten, Gefangene zu entblößen oder sexuell zu missbrauchen. Verboten sind außerdem Methoden wie Scheinexekutionen, simuliertes Ertränken sowie Elektroschocks. Erlaubt bleibt aber Einzelhaft.