Nach dem Fußball verliert die Sportschau jetzt auch ihr Gesicht. Heribert Faßbender verlässt nach 43 Jahren den WDR und geht in den Ruhestand. Zwanzig Jahre lang moderierte der 65-Jährige die Sendung und sorgte dabei immer wieder unfreiwillig für Heiterkeit unter den Zuschauern ("Es steht im Augenblick 1:1. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können."). Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Fritz Pleitgen, würdigte Faßbender zum Abschied. Er habe eine ganze Generation von Fernsehjournalisten geprägt.

Faßbender begann seine Rundfunkkarriere als freier Mitarbeiter beim WDR. Seit dem allerersten Spieltag der Bundesliga 1963 kommentierte er Fußballspiele, kümmerte sich aber auch um Tennis, Reiten, Hockey und Eishockey. Dass die Logik seiner Zunge dabei oft nicht recht folgen wollte, mag an seinem Sprachtempo gelegen haben. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn schaffte Faßbender bis zu 26,8 Phenomene (Laute) pro Sekunde. Damit war er der schnellste Kommentator im deutschen Fernsehen.

Zu den vielen Stilblüten seiner Karriere gehören Sätze wie "Und jetzt skandieren die Fans wieder: ‚ Türkiye! Türkiye! ’, was so viel heißt wie ‚Türkei! Türkei!’" oder (nach fünf gespielten Minuten): "So, jetzt ziehen wir mal ein Fazit!" Dabei scheute er sich auch nicht, die eigene Meinung kundzutun: "Schickt den Mann in die Pampa!", forderte er, als er 1990 während des WM-Achtelfinals zwischen Holland und Deutschland mit dem argentinischen Schiedsrichter unzufrieden war. Seit 1981 dann leitete Faßbender die Sportschau. Viele Stimmen - auch innerhalb des eigenen Senders - bemängelten Faßbenders mangelnde Kompetenz und seine chauvinistischen Tendenzen, doch änderte dies nichts an seiner Beliebtheit beim Publikum.

Der gebürtige Ratinger machte sich schnell unverwechselbar. Zu seinem Stil gehörte unter anderem die stets gleiche Begrüßung: "N'Abend allerseits". Insgesamt begleitete er je acht Olympiaden und Fußball-Europameisterschaften - und er war siebenmal im WM-Team der ARD. Neben seinem Schwerpunktbereich Sport moderierte Faßbender auch Buntes im Hörfunk, wie das WDR- Mittagsmagazin , und außerdem die Fernsehsendungen Mittwochs in ... und Spiel ohne Grenzen .

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