Die EU und der Iran haben bei Gesprächen über eine Entschärfung des Atomstreits zwischen Teheran und der internationalen Gemeinschaft am Wochenende in Wien Fortschritte erzielt. Nach insgesamt siebenstündigen Sondierungen sagte der iranische Atomunterhändler Ali Laridschani am Sonntag vor Journalisten: "Viele Missverständnisse wurden ausgeräumt." Auch der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, meinte: "Die Bemühungen waren es wert."

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte unterdessen in Teheran, Verhandlungen könnten dazu beitragen, den Konflikt um das Atomprogramm seines Landes zu beenden. Beide Seiten wollen sich in der kommenden Woche erneut treffen. Auch der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) wird sich auf seiner am Montag in Wien beginnenden Tagung mit dem iranischen Atomprogramm befassen.

Die Wiener Gespräche sollten die Chancen für weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und der EU ausloten und damit baldige UN-Sanktionen gegen den Iran verhindern. Teheran hatte Ende August die ultimative Forderung einer UN-Resolution nach unbefristeter Aussetzung seines Programms zur Urananreicherung abgelehnt. Solana sollte im Auftrag der EU-Außenminister erkunden, ob die iranische Regierung im Rahmen von neuen Verhandlungen über das Kooperationsangebot der Europäischen Union zu einem Anreicherungsstopp gebracht werden kann.

Bereits nach der ersten Gesprächsrunde am Samstag hatten beide Seiten von "Fortschritten" und einem "konstruktiven" Dialog gesprochen. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass Teheran angereichertes Uran zur Herstellung von Atombomben missbrauchen könnte. Teheran bestreitet dies jedoch. Die EU-Außenminister hatten sich Anfang vergangener Woche dafür ausgesprochen, den Konflikt wenn möglich auf diplomatischem Weg zu lösen. Auch China und Russland sind gegen Zwangsmaßnahmen.

Unterdessen betonte der iranische Präsident Ahmadinedschad die Verhandlungsbereitschaft seiner Regierung. "Wir glauben fest daran, dass Verhandlungen und Toleranz den Streit beilegen oder wenigstens die Standpunkte annähern könnten", meinte er nach einem Gespräch mit dem Präsidenten der Interparlamentarischen Union, Pier Ferdinando Casini in Teheran. Zuvor hatte der Sprecher des iranischen Außenministeriums Hamid-Resa Assefi, allerdings bekräftigt, der Iran werde "keine Vorbedingungen" für Verhandlungen mit der EU akzeptieren. Die vom Sicherheitsrat von Teheran geforderte unbefristete Aussetzung der Urananreicherung sei "eine Sache der Vergangenheit".

Nach der UN-Resolution, die auf Druck der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und Deutschlands zu Stande kam, könnte die Weltgemeinschaft wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen den Iran verhängen. US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach sich am Sonntagabend für Sanktionen im Finanzbereich aus. Der Schlüssel sei wahrscheinlich das Geld, sagte Rice dem US-Nachrichtensender CNN. Es gebe Möglichkeiten, um den Geldhahn für Programme im Iran abzudrehen. Das werde der iranischen Führung deutlich machen, dass sie nicht die Vorteile des internationalen Finanzsystems in Anspruch nehmen könne, um die Einnahmen aus den Erdölexporten zu nutzen.

Rice räumte ein, dass einige noch den Weg für Verhandlungen und eine Fortsetzung der Gespräche mit der Führung in Teheran offen halten wollten. Sie sei sich aber ziemlich sicher, dass es Sanktionen geben werde, die dem Iran deutlich machten, dass der bisherige Kurs nicht fortgesetzt werden könne, sagte Rice.