Feste braucht der Mensch offenbar – und feste Anhaltspunkte. Insofern darf man sich über den Papstbesuch in Bayern freuen. Auch wundern – wenigstens etwas? Jedenfalls staune ich immer wieder über das kollektive Bedürfnis so vieler Menschen, sich an einer doch auch nur menschlichen Gestalt aufzurichten – wenn es nicht überhaupt ein gar nicht so geheimes Bedürfnis nach Kollektivität an sich ist, das sich in solchen Zusammenkünften zum Vorschein bringt. Was veranlasst einen im Alltag scheinbar so rational handelnden Menschen, sich in Massen stundenlang anzustellen, um einen Amtsträger für wenige Sekunden in einem Papamobil vorbeirollen zu sehen?

Die Sache hat ihre religiöse Seite – in diesem Fall nur zu offenkundig. Doch die Frage, ob die massenpsychologische Dimension des Vorgangs auf den Kern der religiösen Botschaft hinführt oder doch auch von ihr ablenkt, die darf ja wenigstens gestellt werden. Der Einzug des Joshua von Nazareth in Jerusalem auf einem Esel fand doch mit vergleichsweise bescheidenerem Aufwand und Medienrummel statt – und vor einer außerordentlich begrenzten Öffentlichkeit. Und ganz ohne die im Lichte der ankommenden Person sich sonnende (Polit)-Prominenz inklusive Großfamilienanhang.

Apropos! Ein wenig wunderte ich mich über Medienberichte, wonach der Papst auf die Worte des Bundespräsidenten (wacker die Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten anmahnend) spontan und positiv geantwortet habe. Für jemanden, der in diesen weithin fruchtlosen Dialogen zuhause ist, konnte die Antwort (trotz des Appells an die heißen Herzen) nur kühl aufschiebend klingen – und etwas anderes war ja auch kaum zu erwarten. Und dabei wäre dies das einzige Thema auf der ganzen Papstreise, bei der sich etwas sagen ließe – jenseits des ansonsten durchwegs Erwartbaren.

Also, keine Spielverderberei und Festverbitterung. Nur eine kleine Bitte um jenes Quäntchen nüchterner Vernunft, das zugleich den wieder folgenden, auch den kirchlichen Alltag in den Blick nimmt, ein wenig Distanz auch zum Massenerlebnis. Ich für mein Teil denke dann auch ein wenig zurück an Martin Luthers Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation, nämlich an den folgenden Satz: "Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei…"

Immerhin fügt der Reformator an: "... obgleich es nicht einem jedem ziemt, solch Amt auszuüben." Insofern stimmte es schon, was die Bild-Zeitung nach der Wahl Benedikts XVI. getitelt hatte: "Wir sind Papst!" – Freilich nicht wir Deutschen, sondern – alle.

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