In Deutschland hat man sich in den letzten Jahren eigentlich schon daran gewöhnt, dass unser  Bildungssystem – einst Stolz der Nation - nur noch zu Negativschlagzeilen dient. Erst die diversen Pisa-Schocks, dann Gewaltexzesse a la Rütli-Schule und nun also die nächste Horrorbotschaft im neuen OECD-Bericht: Deutschland gehen die Akademiker aus.

Nicht nur weisen die anderen OECD-Länder höhere Hochschulabsolventenquoten auf, sie haben in diesem Bereich auch höhere Zuwachsraten, niedrigere Abbrecherquoten, kürzere Studienzeiten und überhaupt. Ein anderes Problem trifft immerhin fast alle westliche Staaten: Es gibt schlicht  immer weniger Jugendliche, somit also auch weniger künftige Ingenieure, Computerspezialisten und Biowissenschaftler, die Deutschland wettbewerbsfähig halten könnten. Wenn man sich dann noch vorstellt, wieviel potenziellen Wissenschaftler-Nachwuchs Indien und China produzieren, dann  kann man tatsächlich Angst um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit bekommen.

Doch ebenso wie es vorhersehbar ist, dass Bildungsforscher versuchen, ihre Studien als dramatischen Appell an die Politik zu inszenieren, sind es die Abwehrreaktionen aus dem anderen Lager. Den Hochschulen steht das Wasser ja jetzt schon bis zum Hals, kein Wunder also, dass sie versuchen, mit dem Hinweise auf die Qualität der Lehre eine noch weitere Öffnung der Universitäten zu verhindern. Das klingt ein wenig nach der Klage, die Hochschulen drohten, die Hauptschulen der Nation zu werden, mit der schon in den 90er Jahren der verzweifelte Versuch gemacht wurde, die Alma Mater noch einmal als Hort für eine kleine, hochbegabte Elite zu retten. Im Anbetracht des gegenwärtigen Chaos an mancher Universität ist das verständlich, ein Konzept für die Zukunft ist es nicht.

Was also ist dran an dem neuesten Untergangsszenario? Zunächst einmal ist es richtig, wenn nun von Bildungspolitikern betont wird, die Studie belege den hohen Bildungsstand der Deutschen. 85 Prozent haben entweder Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung. Dass andere Länder in dieser Hinsicht aufgeholt haben, mindert das deutsche Qualifikationsniveau nicht, es verringert aber den deutschen Wettbewerbsvorteil.

Einwenden lässt sich gegen die Daten der OECD, dass Hochschulabschluss nicht gleich Hochschulabschluss ist, und deswegen auch die niedrigeren Absolventenzahlen in Deutschland nur begrenzt Auskunft geben über das tatsächliche Qualifikationsniveau. So mag es durchaus sein, dass eine deutsche Ausbildung durchaus ebenso anspruchsvoll ist wie ein Fachschulabschluss in einem anderen Land.

Dennoch legt die Studie den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde. Der Zwischenbereich, zwischen Universität und Ausbildungsplatz, ist in Deutschland bei weitem noch nicht ausreichend ausgebaut. Vor allem die Studiengänge an den Universitäten sind nach wie vor zu abstrakt angelegt und dauern zu lange. Sie bereiten ein Massenpublikum auf eine wissenschaftliche Karriere vor. Das ist absurd. Mit Master- und Bachelor-Studiengängen wurde hier eine richtige Zwischenstufe eingezogen. Sie bieten eine praxisorientierte und zugleich wissenschaftsnahe Ausbildung und sind damit die richtige Antwort auf die Anforderungen einer Wissensgesellschaft. Wenn hier das Angebot ausgebaut wird, werden auch die Absolventenzahlen steigen. Einige Berufe, für die heute noch eine Ausbildung genügt, werden sich ohnehin durch gesellschaftlichen Druck in kurzer Zeit akademisieren. Der Beruf der Erzieherin zum Beispiel