Also, langsam wird es nervig. Die Rentenmärkte schwächeln trotz schlechter Konjunkturerwartungen, und an den Rohstoffmärkten hängt es vom jeweiligen Segment ab, ob man von einer Hausse oder Baisse sprechen kann. Doch besonders unbefriedigend ist die Situation an den Aktienmärkten: Sie sind weiterhin in einer Situation gefangen, die kein klares Signal liefert.

Technisch spricht einiges für einen Aufwärtstrend, denn wichtige Widerstände wurden gebrochen – nur: Es gab keine richtigen Anschlußkäufe. Laut Lehrbuch ergäbe sich die Basis für einen gesunden, kräftigen Trend, wenn nach dem Bruch einer wichtigen Marke zuvor unentschlossene oder gar anders positionierte Investoren auf den losfahrenden Zug aufspringen. Das kann den Trend verstärken und ihm noch mehr Dynamik verleihen. Genau dieser Impuls fehlt aber derzeit.

Eine der Ursachen ist wohl die immer noch andauernde Urlaubszeit – immerhin, da gibt es Hoffnung, denn in Bayern als letztem Bundesland beginnt in dieser Woche wieder die Schule. Auch in Frankreich ist der traditionelle Urlaubsmonat August vorbei, und in Großbritannien hat der Unterricht ebenfalls wieder angefangen. Somit sind die großen europäischen Märkte bald wieder voll besetzt. Zudem ist auch an der Wall Street die üblicherweise kurze Urlaubszeit vorbei. Die Truthähne für Thanksgiving sind geschlachtet, die Marktteilnehmer stehen bereit für neue Taten.

Dass sich ganz allmählich etwas tut, kann man zum Beispiel an den Umsätzen der Aktienmärkte ablesen. Während die Handelsvolumina in den letzten Wochen außerordentlich gering waren, sind sie in der letzten Woche deutlich angestiegen. Die zunehmende Handelsaktivität kam, als die Kurse drei Tage in Folge absackten. Die Marktteilnehmer zeigen sich offenbar nur dann motiviert, wenn es abwärts geht.

Ein weiteres Indiz für die kränkliche Verfassung des Marktes sind die relativen Bewegungen. Wie der Wanderer, der schon etwas entkräftet ist, geht bergauf recht langsam zu. Immer wieder sind Pausen nötig, und die Abstände zwischen den Pausen werden kleiner. Bergab dagegen macht sich die Schwerkraft bemerkbar, und häufig wird man dann schneller nach unten gezogen, als einem lieb ist. Genau so bewegen sich die Kurse derzeit an den Aktienmärkten. Und entsprechend schlecht sind die Aussichten für den Rest des Septembers, dem traditionell eh am meisten gefürchteten Monat.

An den Rohstoffmärkten dagegen ist das Bild zweigeteilt. Nachdem die Hurrikansaison bisher ruhig blieb, konnte der Ölpreis deutlich sinken. Die schlechten Konjunkturaussichten für die Industrieländer, allen voran die USA, begünstigten den Trend zusätzlich. Sinkendes Wirtschaftswachstum macht sich nun einmal durch eine geringere Rohöl-Nachfrage bemerkbar. Wenn es gleichzeitig keine Angebotsprobleme - zum Beispiel wegen Wirbelstürmen - gibt, kann der Preis kräftig sinken. Und weil die Furcht nach den Erfahrungen mit Hurrikan Katrina besonders hoch war, fiel der Kursrückgang entsprechend deutlich aus.