Es regnet Bomben in Darfur. Die sudanesische Luftwaffe bombardiert nach Angaben von Human Rights Watch seit Tagen Dörfer in Nord-Darfur - während Bodentruppen die Zivilbevölkerung daran hindern, aus den betroffenen Gebieten zu fliehen. Die Organisation beruft sich dabei auf Militärbeobachter der Afrikanischen Union (AU) in Darfur.

Fernsehbilder oder Fotos gibt es nicht - und es ist schon ein Wunder, dass überhaupt noch Nachrichten aus Darfur nach außen dringen. Die AU-Mission ist kläglich schlecht ausgerüstet; Hilfsorganisationen wagen sich kaum mehr in die Flüchtlingslager, erst vorigen Freitag wurde eine Krankenschwester des International Rescue Committee getötet. Ausländische Journalisten riskieren bei Reisen in das Kriegsgebiet, wegen „Spionage“ vor einem sudanesischen Gericht zu landen - wie im Fall des seit vier Wochen inhaftierten Amerikaners Paul Salopek. Dass die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Blauhelm-Mission für Darfur je in Gang kommen wird, erscheint zu diesem Zeitpunkt zweifelhaft.

Die Regierung in Khartum droht UN-Soldaten in Darfur mit Gewalt. Sie will keine ausländischen Zeugen für das, was sich offenbar anbahnt: eine militärische Offensive der sudanesischen Armee und der regierungsnahen Dschandschawid-Reitermilizen, die mit zunehmend brutalen Methoden gegen Rebellen vorgehen, die für eine größere Autonomie Darfurs kämpfen. Vor allem aber richtet sich die Offensive gegen die schwarz-afrikanische Zivilbevölkerung. Nach drei Jahren Krieg mit vermutlich 200.000 Toten und zwei Millionen Vertriebenen streiten Diplomaten immer noch, ob es sich dabei um „Völkermord“, „ethnische Säuberungen“ oder „Kriegsverbrechen“ handelt. Fakt ist, dass die militärische Eskalation ein neues, schnelleres Massensterben zur Folge haben wird.

20.000 UN-Soldaten sollen laut Resolutionsbeschluss vom vorigen Donnerstag jene 7.000 Mann der Afrikanischen Union (AU) ablösen, die bislang weder in der Lage noch willens war, das Morden zu unterbinden. Doch gleich im ersten Satz der Resolution 1706 findet sich ein Haken: „The Security Council (...) invites the consent of the Government“, steht da geschrieben.

Das kann man nun vielfältig interpretieren: ist die „Zustimmung der sudanesischen Regierung“ eine unabdingbare Voraussetzung für die Mission, ohne die kein Blauhelm nach Darfur entsandt wird? So lesen es jedenfalls der russische UN-Botschafter, dessen Land viele Waffen nach Khartum liefert, und sein chinesischer Kollege, dessen Land viel Öl aus dem Sudan bezieht. Oder handelt es sich bei dieser Formulierung um einen „schön-wär’s-muss-aber-nicht-sein“- Nebensatz, wie ihn der amerikanische UN-Botschafter John Bolton versteht? In Khartum hat man die Schwachstelle sofort erkannt und gedroht, im Stil Hisbollahs einer „internationalen Intervention die Stirn zu bieten“. Damit ist klar: Kein Mitgliedsstaat der UN wird für diesen Friedenseinsatz Truppen stellen, wenn absehbar ist, dass diese sich mit der sudanesischen Armee bekriegen müssen.

Ist Resolution 1706 also schon Makulatur? Nicht unbedingt.