"Es hat Spaß gemacht". Was sollen Kapitän, Teammanager und Bundestrainer nach dem Abpfiff des 13:0 -Erfolgs der deutschen Nationalmannschaft gegen San Marino sonst auch anderes sagen. Freude hatten vor allem diejenigen, die Statistiken lieben: Die erste Begegnung der beiden Nationen bescherte:

den zweithöchsten Sieg in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft;
den höchsten Auswärtssieg einer DFB-Elf;
den ersten Auswärtssieg für Jogi Löw als Bundestrainer;
den Aufstieg von Miroslav Klose in der Rekordtorschützenliste direkt neben Fritz Walter;
San Marinos höchste Niederlage;
Die dritte Partie der Deutschen in Folge ohne Gegentreffer;
Den 444. Sieg der DFB-Elf überhaupt.


Diese Qualifikationsbegegnung wird also in die Geschichtsbücher des DFB eingehen, auch wenn die Ereignisse vom Mittwochabend nicht historisch aussahen. Schon vor der Partie war klar, dass sich zwei Mannschaften gegenüberstehen würden, die nicht auf einer Augenhöhe agieren. Der erfolgreichste Sanmarinesische Torschütze Selva gab als Zielsetzung an, nicht mehr als fünf Gegentreffer zu bekommen und - wenn möglich - ein eigenes Tor zu erzielen. Der deutsche Bundstrainer erhoffte sich, dass sich die Stürmer "torhungrig für die nächsten Partien" schießen sollten.


Bei dieser Partie, die eher den Charakter eines Freundschaftsspiels als einer Qualifikation besaß, wurden die Unterschiede in den Ansprüchen mehr als deutlich. Dass San Marino der schlechteste Gegner seit mehr als fünfzig Jahren in einem Pflichtspiel war, steht außer Frage. Körperlich und technisch waren die Amateure aus der 30.000 Einwohner zählenden Republik hoffnungslos unterlegen.


Der Unterschied, der sich im Ergebnis wiederspiegelte, wurde so deutlich, dass Jens Lehmann bekennen musste, dass er vor und nach dem Abpfiff nicht den Spielstand benennen konnte. Sein Vordermann auf der rechten Abwehrseite, Philipp Lahm, gab augenzwinkernd zu, dass es nicht weh tue, keine Tore erzielt zu haben, weil ja auch noch ein paar Andere nicht getroffen hätten.


Beides klingt nach einer Überheblichkeit, von der auf dem Rasen trotz des Klassenunterschieds nichts zu merken war. Selbst nach dem 10:0 spielte die deutsche Mannschaft engagiert weiter nach vorne. Arrogant wäre es gewesen, dem Gegner nicht mehr mit vollem Elan gegenüberzutreten.


Ebenso blasiert wäre ein geschossener Elfmeter von  Torwart Lehmann in der Schlussphase gewesen. Frei nach dem Motto "Wer will noch mal? Wer hat noch nicht?", wurde unter den Spielern ein Schütze gesucht. Da die Zuschauer das Antreten des Keepers forderten, trottete dieser zum gegnerischen Strafraum - um den Strafstoß dann doch nicht zu schießen. Aus "Gründen der sportlichen Fairness" habe er verzichtet. So durfte Bernd Schneider zum Duell mit dem Torhüter antreten und sein schwaches Torkonto (drei Treffer in 73 Begegnungen) bei der Nationalelf um einen Zähler aufstocken.


Kapitän Michael Ballack, der zur Halbzeit ausgewechselt wurde, beugte nach dem Kantersieg einer zu großen Euphorie vor, indem er betonte, "dass die Qualifikation kein einfacher Gang wird". Dem ist insofern zuzustimmen, als die Nationalmannschaft erst mit Irland und nun San Marino nicht die schwersten Teams geschlagen hat. Mit Tschechien und den Slowaken warten zwei weitaus spielstärkere Gegner auf das deutsche Team. Diese sollte die Löw-Truppe tatsächlich nicht unterschätzen - schon allein deswegen, damit das nächste Qualifikationsspiel wieder allen so viel Spaß macht.


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