Wenigstens gesundheitsgefährdend soll der genmanipulierte Reis nicht sein, den Kontrolleure jetzt in jeder fünften Packung gefunden haben, die sie untersuchten. Europaweit sind offenbar Reistransporte mit der nicht zugelassenen Sorte LLRice 601 vermischt worden, berichtete die Europäische Kommission am Montag. Der europäische Verband der Reismühlen hatte 162 Proben auf gentechnisch veränderten Reis aus den USA untersucht. Und siehe da: 33 Mal wurden die Kontrolleure fündig. Auch Packungen, die bei Aldi Nord in Deutschland verkauft werden sollten, enthielten nach Untersuchungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace die manipulierte Reissorte.
Jedes fünfte Korn kann Genreis sein

Dennoch glaubt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht, dass von dem nicht zugelassenen Genreis Gesundheitsgefahren für Verbraucher ausgehen. "Nach dem, was die Amerikaner abgeschätzt haben, ist nicht damit zu rechnen", sagte ein BfR-Sprecher am Dienstag in Berlin. Dem BfR liege allerdings keine eigene Risikoeinschätzung vor. Der gentechnisch veränderte Reis sei eine Vorläufersorte für einen weiteren Reis, der weder geprüft noch zugelassen und daher verboten sei. Der Reis LLRice 601 wurde von Bayer entwickelt und in den USA ausgesät.

Alle Lieferungen, die den verbotenen Genreis enthielten, sind unterdessen gestoppt oder vom Markt genommen worden, versicherte die Branche der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde erinnerte die Firmen an ihre Verpflichtung, die Mitgliedstaaten über jeden entdeckten Fall zu unterrichten.

Auch in einer Schiffsladung Reis, die seit mehr als zwei Wochen im Hafen von Rotterdam festgehalten wird, wurde der verbotene Genreis gefunden. Drei Teilladungen der insgesamt 20.000 Tonnen Reis seien verunreinigt gewesen, berichteten niederländische Behörden. 20 Teilladungen seien hingegen negativ getestet worden. Die Ladungsteile ohne Befund wurden freigegeben - sie waren für Deutschland und Großbritannien bestimmt. Die verunreinigte Ladung werde zerstört oder in die USA zurückgeschickt.

Die EU-Kommission bat die betroffenen Mitgliedstaaten ebenfalls, den Informationen von Greenpeace und der Umweltorganisation Friends of the Earth über gentechnisch veränderten Reis aus China nachzugehen. Brüssel warte noch auf eine Bestätigung dieser Angaben aus den EU- Staaten, hieß es. Die EU-Behörde habe auch die chinesische Seite um zusätzliche Informationen gebeten. Industrie und staatliche Stellen der EU-Länder sollten ihre Kontrollen des Marktes verstärken.

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