Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, ist ihr langjähriger Herausgeber am Montagabend in seinem Haus in Kronberg im Taunus gestorben. Über die Todesursache wurden keine Angaben gemacht. Joachim Fest

Fest, der 1926 in Berlin geboren wurde, studierte Jura, Geschichte, Soziologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Von 1963 bis 1968 war er Chefredakteur des NDR und von 1973 bis 1993 Mitherausgeber der FAZ . Als Angehöriger der „Flakhelfergeneration" beschäftigte sich Fest intensiv mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen für die Bundesrepublik.

Berühmt wurde Fest durch seine Hitler-Biografie von 1973, welche in viele Sprachen übersetzt wurde und etliche Preise erhielt. Über das Buch wurde lange debattiert - aber es setzte Maßstäbe. Auch an anderen öffentlichen Kontroversen war Fest beteiligt. Seine oft heftige Kritik richtete sich vor allem gegen die Linke der 60er und 70er Jahre. Das umstrittene Theaterstück von Rainer Werner Fassbender Der Müll, die Stadt und der Tod bezeichnete Fest 1976 als „Faschismus von links". Den so genannten Historikerstreit entfachte Fest, der für das Feuilleton der FAZ zuständig war, 1986 mit der Veröffentlichung eines als revisionistisch kritisierten Artikels des Historikers Ernst Nolte. Später distanzierte sich Fest von den Thesen Noltes.

Andere Publikationen von Fest sorgten ebenfalls für Diskussionen. Sein Buch über den Nazi-Architekten und Hitler-Intimus Albert Speer, das 1999 erschien, wurde von vielen als zu verharmlosend bemängelt. Die detaillierte Darstellung der letzten Tage von Adolf Hitler, die Fest unter dem Titel Der Untergang veröffentlichte, bildete die Vorlage für den gleichnamigen Film von Bernd Eichinger von 2004.

Am 22. September erscheint im Rowohlt Verlag das Buch Ich nicht . In seinem letzten Werk beschäftigt sich Joachim Fest mit den Erinnerungen an seine Familie und die Kindheit unter dem Nationalsozialismus. Fest war verheiratet und hinterlässt zwei Söhne.

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