"Wir sind nicht mehr nur Zuschauer", verkündete Angela Merkel am Mittag in Berlin. Sie wollte vorsichtig sein mit großen Worten, doch der nun vom Kabinett beschlossene Libanoneinsatz der Bundeswehr sei nach Aussage der Bundeskanzlerin kein Einsatz wie jeder andere er habe eine "historische Dimension". Vor dieser warnte gleichzeitig Außenminister Frank-Walter Steinmeier: Er sagte, man dürfe das historische Argument in der Beurteilung des Einsatzes nicht umdrehen.

Erstmals also kommen deutsche Soldaten in einem Konflikt mit israelischer Beteiligung zum Einsatz, und zum ersten Mal handelt es sich um eine bewaffnete Mission im Nahen Osten. Nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung schickt die Bundesmarine wie geplant 2400 Soldaten in das Krisengebiet, von denen 1500 direkt mit der Absicherung der Küste beauftragt sind. Weitere 600 werden mit der Logistik, Ausbildungsaufgaben und Führungsaufgaben betraut sein, 300 Soldaten stehen als Reserve bereit. Das Mandat endet frühestens im August 2007.

Außenminister Steinmeier sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz, man dürfe den Fokus auch in der öffentlichen Debatte des Einsatzes nicht zu eng auf den Konflikt Israel-Libanon setzen. Stattdessen müsse man den "Weitwinkel nutzen" und die Bedeutung der Un-Intervention für andere Konflikte der Region erkennen. Die Bewältigung des Libanonkriegs sei das erste Steinchen des Mosaiks, und deshalb besonders wichtig. "Wenn sich jetzt ein Fenster auftut, die Konflikte zu lösen, dann müssen wir diese Chance nutzen."

Die Bundesmarine wird in den kommenden 12 Monaten die Führung in der Bekämpfung des Waffenschmuggels per Schiff und der seeseitigen Absicherung der Küste übernehmen, aber auch humanitäre Hilfe leisten. Das Mandat sei robust, aber nicht offensiv, betonte Jung zum wiederholten Mal das heißt, dass die Soldaten, falls sie während der Kontrollen auf Widerstand stoßen, auch Waffengewalt einsetzen dürfen, von sich aus jedoch nicht angreifen. Dem deutschen Kontingent stehen für seine Aufgaben 2 Fregatten, 2 Versorgungsschiffe und 4 Schnellboote zur Verfügung. Der Einsatz wird gemeinsam mit Marinesoldaten aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Holland koordiniert.