Matt Ward ist ein stiller, junger Mann Anfang dreißig. Bei unserer Begegnung in Hamburg spricht er leise und antwortet – nach reiflicher Überlegung – meistens kurz. Am liebsten sitzt er zu Hause in Portland/Oregon in seinem Studio und nimmt Platten auf, die so weltfern klingen, als seien sie aus einer längst vergangenen Zeit.

Matt Ward spürt in seinen Liedern amerikanischen Traditionen nach. Früher Country und früher Folk faszinieren ihn. Was er macht, ist atmosphärisch so perfekt, dass jeder Song ein Zeitsprung zu sein scheint. Seine CDs knistern wie Schellack. Seine LoFi-Arrangements scheinen aus dem Schalltrichter eines alten Grammofons zu kommen. Sein brüchiges Falsett klingt wie eine Liebeserklärung – in Sütterlin auf einer sepiafarbenen Postkarte.

Die Musik, sagt er, sei die beste Arbeit, die er jemals hatte. Sie erlaube ihm, seine Rechnungen zu bezahlen,und entstehe wie von selbst: Wenn man nur genau genug hinhöre, entwickele schon die einfachste Akkordfolge ganz von allein eine Melodie. Die Melodie schaffe eine Stimmung und die Stimmung einen Text. So einfach sei das.

Also sitzt er seit seiner Jugend vor einem Vierspurgerät und nimmt auf, was seine Gitarre ihm vorgibt. Ab und an stellt er einige Songs zu einem Album zusammen, unabhängig davon, wie alt sie sind. So einfach ist das.

Sein viertes Werk Transistor Radio aus dem Jahr 2005 machte ihn in gewisser Weise berühmt. Nicht so berühmt, wie den Vorsteher einer Boygroup oder den Axtschwinger einer Metalband. Aber doch so, dass die Kritiker sich überschlugen, die Welt ihn zur Kenntnis nahm und seine Platten sich gut verkauften.

Das finde er ganz angenehm, sagt er, denn so habe er mehr Freizeit. Wie er das meint? Nun, er müsse jetzt weniger touren, um Geld zu verdienen. Also habe er sich ein Jahr frei genommen, um mehr Zeit im Studio verbringen zu können. Das Ergebnis – sein neues Album „Post-War“ – ruft in Amerika aufs Neue Begeisterung hervor.