Der Arbeitsminister will gegen die Ausbeutung der "Generation Praktikum" vorgehen

Ein Tag im April. In der Nähe des Brandenburger Tors versammeln sich hunderte junger Menschen und demonstrieren. Sie tragen weiße Masken, damit ihre Identität verborgen bleibt, denn so empfinden sie ihren Status in der Arbeitswelt. Sie sind Praktikanten: Mitarbeiter, die keinen Namen haben, kein Gesicht und keinen festen Vertrag. Die den Kollegen oder Vorgesetzten unbekannt bleiben, obwohl ihre Arbeit die Unternehmen maßgeblich stützt. Die immer mehr arbeiten, immer weniger lernen und dafür entweder wenig oder gar kein Geld bekommen. Kurzum, es sind die, die immer häufiger ausgebeutet werden. Und damit soll endlich Schluss sein, finden die Gesichtslosen, deshalb wird demonstriert: für qualifizierte Arbeit und gegen Ausbeutung.

Seit Monaten läuft die "Generation Praktikum" jetzt schon gegen diese Missstände Sturm. Offenbar mit Erfolg. Denn nun hat sich Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) der Sache angenommen. Jedenfalls habe es das vor, sagte er während der Haushaltsdebatte der vergangenen Woche.

Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierte Demonstration in Berlin war nur der Anfang der Proteste. Längst sind Internetseiten dazugekommen, auf denen Praktikanten Unternehmen bewerten und ausbeuterische Methoden entlarven . Die Prekaristen - die in prekären Arbeitsverhältnissen Stehenden - sammeln Unterschriften und stellen Petitionen auf, in der Hoffnung, dass diese Aktionen ihnen mehr Gehör verschaffen. Der Einsatz könnte Früchte tragen: Die Petition Nummer 142 mit dem Titel "Förderung der beruflichen Weiterbildung/Praktikum: Hochschulabsolventen" wurde so häufig unterzeichnet wie kaum eine Petition zuvor. Nun sind sie mit ihren Forderungen also auch in der Bundespolitik angekommen.

Vor dem Bundestag sprach Müntefering von einer um sich greifenden "Methode", die man so nicht hinnehmen könne. Man müsse Unternehmen, die junge Menschen als schlecht oder unbezahlte Praktikanten mit der Arbeit von Vollzeitkräften betrauen, die Gesetzeslage erklären. "Darum müssen wir uns kümmern," sagte der SPD-Chef.

Zeitungsberichten zufolge will sich der Arbeitsminister sogar persönlich einsetzen. Wie die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch meldete, prüft Müntefering derzeit, wie sich die Zahl der Praktika entwickelt und ob Firmen tatsächlich immer mehr Vollzeitkräfte durch hochqualifizierten Billig-Nachwuchs von der Uni ersetzen.

Vielleicht würde da schon der Blick auf eine aktuelle Meldung aus der Wirtschaftswelt helfen: Nach Angaben der Jobbörse worldwidejobs.de, die jeden Monat die Anzahl der Ausschreibungen für Festanstellungen auf den Websites der Dax-Unternehmen zählt, ist die Menge der ausgeschriebenen festen Stellen im August um 2,7 Prozent gesunken. Gegenläufig entwickeln sich allerdings die Studentenjobs. Im August veröffentlichten die Unternehmen im Vergleich zum Vormonat 19,2 Prozent mehr Stellenangebote für Studierende. Bei diesen "Stellen" handelt es sich überwiegend um Praktika.