Sachsens Regierungschef Georg Milbradt wandte sich am Dienstag wie andere Regierungschefs der Union gegen die Begrenzung der geplanten kleinen Kopfpauschale auf ein Prozent des Haushaltseinkommens der Versicherten. Bis zu dieser Höhe sollen die gesetzlichen Krankenkasse nach den Eckpunkten der Großen Koalition zusätzliche Beiträge erhöhen dürfen, wenn sie mit den Geldern aus dem zentralen Gesundheitsfonds nicht auskommen. Milbradt sagte der Berliner Zeitung , er könne sich nicht vorstellen, dass es die Ein-Prozent-Grenze nach Verabschiedung des Gesetzes noch gebe. Mit dieser Grenze funktioniere der Wettbewerb nicht.

Milbradt zeigte sich zudem offen dafür, das Inkrafttreten der Reform weiter zu verschieben. "Zeit ist ein wichtiger Faktor, aber wichtiger ist, dass der Inhalt stimmt", sagte er. "Niemand ist damit gedient, wenn das Gesetz wieder und wieder nachgebessert wird."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dagegen am Montag nach einer CDU-Präsidiumssitzung deutlich gemacht, dass sie sich im Streit um die Reform von den Unions-Ministerpräsidenten nicht länger Tempo und Inhalt der Debatte vorschreiben lassen will. Wie zuvor schon Vize-Kanzler Franz Müntefering (SPD) stellte sie klar, dass der Konflikt notfalls auch erst im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beigelegt werden könnte.

Nach einem Bericht der Passauer Neuen Presse gab es jedoch auch im CDU-Präsidium starken Widerstand gegen Teile der Gesundheitsreform-Pläne. Die Präsidiumsmitglieder hätten die geplante Obergrenze bei den Zusatz-Beiträgen mehrheitlich abgelehnt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Teilnehmer. Die Belastungsgrenze war von der SPD bei den Koalitionsverhandlungen zur Reform durchgesetzt worden.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) rügte Versuche von Unions- und SPD-Politikern, die Gesundheitsreform zu zerpflücken. Unter den Kritikern seien "nicht wenige, die bei der Entscheidung in der Sache, auch in fachlichen Details, selbst beteiligt waren", sagte der frühere Bundesgesundheitsminister dem Nordbayerischen Kurier .  Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann forderte die Ländergesundheitsminister von CDU und CSU auf, ihren Unionskollegen im Bund die Arbeit nicht weiter durch "Störfeuer" zu erschweren.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast warf der Koalition vor, sie habe das erste Jahr ihrer Regierungszeit verschwendet. "SPD und Union schaffen es offensichtlich nicht einmal, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden", sagte Künast. Sie forderte die Koalition auf, die vereinbarten Eckpunkte fallen zu lassen und "noch einmal ganz von vorn anzufangen".