Dass Rentenversicherungen und die artverwandten Kapitallebensversicherungen ihren Kunden in der Regel nur geringe und je nach Anbieter äußerst unterschiedliche Renditen liefern, hat jüngst die Stiftung Warentest herausgefunden . Erstaunlich daran ist, dass dies dem Erfolg dieser Verträge keinen Abbruch tut. Renten- und Lebensversicherungsverträge gehören zu den beliebtesten Vorsorgevarianten für das Alter, auch wenn viele Kunden vorzeitig aussteigen und beispielsweise ihre Verträge verkaufen müssen .

Die Mehrzahl der deutschen Sparer ist ganz einfach sicherheitsvernarrt. Auch, wenn die Verzinsung nicht so üppig ausfällt – Hauptsache, die Anleger wissen, mit wie viel Geld sie auf jeden Fall rechnen können. Das erklärt, warum unter ihnen Zinssparformen wie Spar-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, Sparbriefe und festverzinsliche Anleihen so beliebt sind: Wer sein Geld in solche Verträge steckt, kann sich von Anfang an genau ausrechnen, welchen Ertrag ihm das während der Laufzeit beschert.

Doch die vermeintliche Sicherheit hat ihre Tücken. Wer zum Beispiel vor drei oder sechs Monaten eine Bundesanleihe oder einen Sparbrief gekauft hat, dürfte sich jetzt ärgern. Denn die allgemeinen Marktzinsen, also die Zinssätze, die täglich an der Börse zwischen Anlegern, Banken und anderen Anleihe-Emittenten ausgehandelt werden, sind seither deutlich gestiegen. Die Folge: Die Zinspapiere verlieren an Wert. Im Kursteil der Tageszeitung lässt sich sehr schön nachlesen, wie sich beispielsweise die Kurse der jüngeren Bundesanleihen immer weiter von der 100-Prozent-Marke entfernen. Und der Wertverlust wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter fortsetzen, denn die nächste Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank kommt bestimmt.

Es gehört für viele Anleger zu den Mysterien des Börsengeschehens, dass die Anleihekurse sinken, wenn die Zinsen steigen. Dieser gegenläufige Effekt ist in der Tat etwas verwirrend, aber leicht zu erklären. Schließlich sind nach einer Zinserhöhung neue Anleihen für die Anleger deutlich lukrativer als ältere, die noch zu geringeren Zinssätzen emittiert wurden. Die neuen Papiere gelangen zu einem Kurs nahe 100 Prozent auf den Markt - also müssen die alten, damit sich für sie überhaupt noch Abnehmer finden, zwangsläufig mit einem Preisabschlag gehandelt werden. Umgekehrt dreht sich das ganze Spiel um, wenn die allgemeinen Marktzinsen sinken.

Grund zur Panik ist das nicht, denn die meisten Privatanleger halten ihre Papiere ohnehin bis zur Fälligkeit – und dann werden sie zu 100 Prozent eingelöst. Bis dahin allerdings müssen sie vergleichsweise niedrige Zinsen in Kauf nehmen. Das Gleiche gilt für Sparbriefe, die nicht vorzeitig verkauft werden können.

Etwas schlechter sieht es hingegen für die Besitzer von Rentenfonds aus. Der Zinsanstieg hat die Anleihen im Fondsdepot an Wert verlieren lassen, und so entwickelten sich viele Fonds in den vergangene Monaten äußerst bescheiden. Manche schrieben sogar rote Zahlen. Das zeigt: Rentenfonds sind keineswegs ein hundertprozentig sicheres Investment, selbst wenn so mancher Bankberater das Argument gerne in Verkaufsgesprächen benutzt. Allerdings gilt bei ihnen das Gleiche wie beim Direktkauf. Der Kursverlust ist lediglich ein temporärer Effekt. Da der Fondsmanager laufend neue Anleihen kauft und die alten irgendwann zum Nennwert, also 100 Prozent, einlöst, bügelt sich Kursdelle dann von ganz alleine aus.