Die SPD hat es gut an diesem Montag nach den beiden Landtagswahlen. Zwar ist das Ergebnis auch für die Sozialdemokraten eigentlich kein Anlass zum Jubeln. In Mecklenburg-Vorpommern haben sie zehn Prozentpunkte verloren, in Berlin trotz der ungeheuren Popularität des Spitzenkandidaten Klaus Wowereit so gut wie gar nicht zugelegt. Doch einen erdverbundenen Machtpolitiker wie Parteichef Kurt Beck interessieren solche Feinheiten wenig, solange die Partei gleichwohl in beiden Bundesländern weiter den Regierungschef stellen wird und sogar noch in der komfortablen Lage ist, je zwei mögliche Koalitionspartner gegeneinander auszuspielen.

Zwar warnen Wahlforscher, den beiden Volksparteien bekomme die Große Koalition nicht, sie würden beide immer schwächer. Doch hatten viele zu Beginn der Regierungszeit von Schwarz-Rot damit gerechnet, besonders die SPD werde unter diesem Bündnis leiden, so scheinen die Ergebnisse vom Sonntag eher das Gegenteil zu bestätigen. 

So gelassen und zufrieden ist die SPD deshalb, dass sie in der Pressekonferenz nach der Wahlanalyse im Parteivorstand schnell zur Tagesordnung übergeht. Vom Libanon-Einsatz ist die Rede und von den Reformprojekten der Großen Koalition, und erst auf Nachfrage ist der Parteichef bereit, den Journalisten nochmals zu erläutern, warum "Wahlsieger" absolut der zutreffende Begriff für die SPD sei. Die Stimmenverluste in Mecklenburg-Vorpommern? Laut Beck ist das nur die Rückkehr zur Normalität. Der letzte Wahlsieg sei eben ein "Ausreißer nach oben gewesen".

Spaß macht Beck auch die Analyse der Wahlverluste der Linkspartei: Statt des früheren Gysi-Bonus gebe es nun eben den Lafontaine-Malus, doziert er. 

Gedrückter ist die Stimmung im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Zentrale. Mit versteinertem Gesicht verkündet die Vorsitzende Angela Merkel, das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern sei ein "großer Erfolg". Immerhin konnte die CDU hier ihren Abstand zur SPD, trotz eigener Verluste, deutlich verringern. Aber ihr Wahlziel, die rot-rote Regierung abzulösen, hat sie nicht erreicht.

"Auch in Berlin", fährt Merkel fort, habe es "ein Debakel" gegeben. Schon will man staunen über so viel Offenheit , da setzt die Kanzlerin schnell "für Rot-Rot" hinzu. Neben ihr steht der äußerst angeschlagene eigene Spitzenkandidat Friedbert Pflüger, der in seinem nervenaufreibenden Wahlkampf sechs Kilo abgenommen hat, und starrt mit glasigen Augen in die Ferne. Die Schuld für das eigentliche Debakel, nämlich den Wahlausgang für die CDU, die manch ein Berliner Konservativer wohl gerne auch der Bundespolitik anlasten würde, schiebt Merkel schnell dem Landesverband zu. Fünf schwere Jahre habe man dort hinter sich, mit manchen Turbulenzen. Trotzdem sieht die Kanzlerin Schritt eins auf dem Rückweg an die Macht erfolgreich vollzogen: Rot-Rot sei geschwächt, nun müsse die CDU es nur noch schaffen, selbst wieder mehr Stimmen zu bekommen.

Mit erstaunlicher Offenheit spricht dagegen der Spitzenkandidat eines der wesentlichen Probleme im Berliner Wahlkampf der CDU an: Es habe eben keine Machtoption gegeben, sagt Pflüger. Die Leute wählten nun mal nicht gerne eine Partei, von der von vornherein klar sei, dass sie nicht gewinnen könne, weil sie keinen Koalitionspartner habe. Viele CDU-Wähler seien deshalb zu Hause geblieben.