Auf dem streng von Polizei und Sicherheitskräften überwachten Petersplatz bekräftigte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Mittwoch, seine umstrittenen Äußerungen zum Thema Islam seien missverstanden worden. In seiner Rede in Regensburg am Dienstag vor einer Woche habe er deutlich machen wollen, dass nicht Religion und Gewalt, sondern Religion und Vernunft zusammengehören.

"Ich habe tiefen Respekt für die Religionen und besonders für die Muslime, mit denen wir einen einzigen Gott anbeten und für die Ziele der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit zusammenarbeiten", sagte der Papst. Die Gläubigen reagierten mit Beifall. "Die Worte des byzantinischen Kaisers drücken nicht meine Meinung aus, und ich wollte sie in keiner Weise zu den meinen machen", sagte er weiter. Der Papst hatte am 12. September in Regensburg einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte.

Nach Protesten in der islamischen Welt hatte Benedikt XVI. bereits am Sonntag bedauert, dass seine Äußerungen missverstanden worden seien. Angesichts des islamischen Terrors hatte der Papst seine Ablehnung einer Glaubensverbreitung durch Gewalt in den Mittelpunkt der Rede gestellt. Das Zitat spiegele nicht sein persönliches Denken wider, sagte Joseph Ratzinger. Er nahm aber keine Aussage zurück.

Nach den Drohungen radikal-islamischer Gruppen gegen Rom und den Vatikan sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Petersdom schon seit Tagen verschärft worden. Bei der Generalaudienz waren Scharfschützen rund um den Petersplatz in Stellung, Polizisten in Zivil mischten sich unter die Menschenmenge. Schon am frühen Morgen hatten sich rings um den weiten Platz lange Schlangen gebildet, weil alle Besucher mit Metalldetektoren durchleuchtet wurden.

Zum Thema
Gewalt oder Metaphysik - die Provokation aus Rom.
Ein Essay von Johannes Hoff "


Lust am Beleidigtsein - Das Papstzitat vom gewalttätigen Islam liefert radikalen Muslimen willkommenen Treibstoff "