Die Stadt im Griff: Ein thailändischer Soldat an seinem Posten BILD Armeechef Sonthi Boonyaratklin, der Drahtzieher des Putsches, kündigte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bangkok an, das Kriegsrecht werde aufgehoben, sobald sich die Lage normalisiert habe. General Sonthi hatte zuvor bereits erklärt, es sei nicht seine Absicht, die Macht an sich zu reißen und »Ersatzherrscher« zu sein. Die Streitkräfte seien zum Handeln gezwungen worden, um Korruption, nationale Zerstrittenheit und die Unterwanderung unabhängiger Behörden zu beenden, für die Regierungschef Thaksin Shinawatra verantwortlich sei.

Die Putschisten hatten kurz nach der Machtübernahme mit General Surayudh Chulanont einen Vertrauten von König Bhumibol Adulyadej zum neuen Regierungschef ernannt. Zugleich erklärten sie das Kabinett sowie den Senat für aufgelöst und setzten die Verfassung außer Kraft.

Am Tag nach dem unblutigen Staatsstreich war die Lage in der Hauptstadt Bangkok ruhig. Weiterhin waren Soldaten an strategisch wichtigen Punkten der Hauptstadt postiert. Allerdings untersagten die Militärs kritische Berichterstattung der Medien und verfügten ein Versammlungsverbot.

Die Weltgemeinschaft äußerte sich besorgt über den Staatsstreich, der am Dienstag während eines Auslandsaufenthalts des umstrittenen Regierungschef Thaksin Shinawatra stattgefunden hatte. Medienberichten zufolge flohen die Familie und Vertraute Thaksins nach dem Putsch außer Landes. Seine Frau habe sich nach Singapur abgesetzt, meldete die Zeitung The Nation am Mittwoch. Die Putschisten, die sich »Verwaltungsrat für Reform« nennen, hätten eine Reihe von Ministern aus Thaksins Kabinett festgenommen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan rief in New York die Thailänder zur Ruhe auf. Die USA mahnten eine friedliche und demokratische Lösung der Krise an. Die EU forderte die Putschisten auf, zurückzustehen und den Weg für die demokratische Regierung freizumachen. Die Bundesregierung riet deutschen Urlaubern in Thailand, vorerst in ihren Hotels zu bleiben.

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