Wieder ein Ungarnaufstand, nach 50 Jahren? Die brandstiftenden Randalierer, die am Montagabend Büros des öffentlichen Fernsehens verwüsteten , sich am Büffet besoffen, um dann Computertechnik mitgehen zu lassen, haben nicht das Geringste mit den Freiheitskämpfern von 1956 zu tun. Auch wenn sie sich auf diese beriefen und Sprechchöre gegen die „schäbigen Kommunisten“ grölten.

Irgendwie geht es aber doch um die Kommunisten. Sie waren nach der Wende wie von der Erde verschluckt, als der Kohl-Schützling József Antall die erste demokratische Regierung installierte. Doch das „Himmelfahrtskommando“ (Antall) musste nach vier Jahren dann doch der „Nachfolgepartei“ das Ruder übergeben. Am Steuer: Milizionär a. D. Gyula Horn, der andere Liebling des Bundeskanzlers und Träger höchster deutscher Auszeichnungen. Übrigens der Erste und bisher Letzte, der nach der Wende bitter notwendige Strukturreformen eingeleitet hatte. Nach dem als Sozialdemokraten anerkannten Ex-Kommunisten kamen 1998 wieder die Bürgerlichen an die Macht. An ihrer Spitze Viktor Orbán, ein außerordentlich begabter und kühner junger Politiker. Er und seine Partei der Jungdemokraten (Fidesz) fingen zunächst als Linksliberale und Antiklerikale an. Mit den Jahren wurden sie aber erzkonservativ und erzreligiös. Zudem noch populistisch, und damit einer zweckbedingten Zusammenarbeit mit der radikalen Rechten gar nicht mehr abgeneigt. Darum ihr Exitus 2002, und auch darum verloren sie im April 2006 erneut die Wahlen.

Vorher, im Jahre 2001, hatte der Fidesz damit begonnen, mit öffentlichen Geldern um sich zu werfen. Der Sozialist Medgyessy, der anschließend die Regierung übernahm, übertraf aber all das um ein Vielfaches: 50 Prozent mehr für die öffentlich Bediensteten, 13. Monatsrente, festgeschriebene Energiepreise. Das Budget und der Forint kamen gefährlich ins Wanken. Medgyessy wurde gegangen. Überraschenderweise hievte sich nun ein kaum bekannter einstiger KP-Jugendfunktionär an die Spitze. Ferenc Gyurcsány hatte nach der Wende – wohl auch mithilfe von Insiderinformationen und Seilschaften – Milliarden gemacht. Intelligent war er, redegewandt und zielstrebig. Er gewann die Partei für sich. Und er galt als letzte Hoffnung. Seine Partei, die MSZP, erreichte im Sommer 2005 noch 20 Prozent, im April darauf gewann sie mit Gyurcsány solide die Wahlen.

Währendessen wurde klar, dass das Land mit einem Budgetdefizit von zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts einer Katastrophe zusteuerte. Die Sozis hatten im Wahlkampf jedoch nicht über den Ernst der Lage und die nötigen Konsequenzen gesprochen, sondern schöne Versprechungen gemacht. Das Wunderkind Gyurcsány vollbrachte indes keine Wunder. Das gestand er nun in dieser merkwürdigen Rede am 26. 5. vor den 190 Abgeordneten seiner Partei ein. Er teilte ihnen mit, dass sie vor und nach der Wahl kontinuierlich gelogen hatten. In einem Ehrlichkeitsanfall sagte er dann auch – wahrheitsgetreu: “Wir hatten in den vier Jahren unserer Regierung nichts Erwähnenswertes geleistet.“ Sodann rief er den Apparatschiks zu, dass die Regierungspartei endlich ein drastisches Konsolidierungsprogramm angehen muss, wenn man nicht will, dass die Wirtschaft und der Forint zusammenbrechen.