Was eint die Staatschefs von Kuba, Venezuela und Iran? Die drei suchen bevorzugt die verbale Konfrontation mit Washington. Der 14. Gipfel der Bewegung Blockfreier Staaten, die einst für weltweite Abrüstung und die friedliche Koexistenz aller Staaten eintrat, gibt ihnen dafür ein Forum. Denn die Treffen der losen Staatengemeinschaft wurden seit jeher zur Selbstinszenierung schillernder Führer aus den ehemaligen Kolonien der Dritten Welt genutzt. Zu ihnen zählen der Ägypter Gamal Nasser, der Simbabwer Robert Mugabe, der Libyer Muammar al-Gadhafi - und natürlich Fidel Castro selbst. Der 80-jährige Revolutionär ist so etwas wie der Opa der Bewegung: Schon bei der Gründungskonferenz 1961 in Belgrad war er dabei. Der kubanische Außenminister Felipe Perez Roque eröffnet in Havanna den 14. Gipfel der Bewegung Blockfreier Staaten.

Nach den Vorstellungen von Fidel Castro soll die Bewegung wieder erstarken und gegen die "unilaterale Politik der USA und ihrer Verbündenten" Stellung beziehen. Noch ist unklar, ob der wegen einer Darmoperation angeschlagene Castro direkt an den Treffen teilnehmen wird. Die ersten Delegationen wurden zunächst von seinem Bruder Raúl empfangen, der die Regierungsgeschäfte übergangsweise leitet.

Die Kritik an den USA gehört auf den Gipfeln zum Programm - trotz der traditionellen Einladung an den Lieblingsfeind. Auch dieses Mal haben die Amerikaner darauf verzichtet, als Beobachter an dem Gipfel teilzunehmen. Sie fürchten, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden - zu Recht. Denn in Havanna würden sich die USA in die Höhle des Löwen begeben. Die Teilnehmerliste des Gipfels liest sich wie das Who is Who der von US-Präsident George W. Bush geächteten „Achse des Bösen". Neben Ahmadineschad, Chávez und Castro hat auch der syrische Präsident Baschar Al-Assad seine Teilnahme zugesagt. Die von den USA boykottierten Regime in Nordkorea, Simbabwe, Weißrussland, Myanmar und Sudan werden ebenfalls ranghoch vertreten sein.

Bei einem Abendessen vor Delegierten hat der kubanische Vizepräsident Carlos Lage die ideologische Stoßrichtung des Gipfels vorgegeben. Er warnte, dass die USA eine "weltweite Diktatur" errichten wollen. Repräsentanten der 116 Mitgliedsländer, unter ihnen über 50 Staatschefs, werden am Samstag in Havanna eine Abschlusserklärung verabschieden. Der Resolutionsentwurf verurteilt unter anderem die "Drohungen Washingtons gegenüber Iran und Venezuela" und die "Pläne einer Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba. An anderer Stelle wird Israel eine "gewissenlose Aggression gegen Palästina und Libanon" vorgeworfen. Ferner will das Forum auf eine Reform der Vereinten Nationen drängen.