Langsam schleppt der Markt sich den Berg hinauf. Immer langsamer werden die Bewegungen. Der Wanderer ist erschöpft. Aber er zieht  trotzdem weiter.

Erfahrene Berggänger wissen, dass neben der tatsächlichen physischen Konstitution die psychische für einen Gewaltmarsch mindestens genauso wichtig ist. Wer sich aufgibt, wird nicht weit kommen. Wer dagegen an sich glaubt oder sich zumindest einredet, dass er es schaffen kann, wird weitere Kräfte freisetzen. So funktioniert Autosuggestion.

Der Dow Jones ist gerade genau an diesem Punkt angekommen, wo er sich auf diese Weise neue Kräfte verleihen kann. Während viele Aktienindizes wie der Dax oder der Nasdaq Composite Index nach der Euphorie von 1999 und 2000 stark an Wert verloren haben und nun immer noch weit unter den damaligen Höchstständen notieren, ist der Dow nie so stark unter die Räder gekommen. Der Dax verlor von Anfang 2000 bis März 2003, als er seinen Tiefststand erreichte, fast 73 Prozent seines Wertes. Darin steht er einem technologielastigen Index wie dem Nasdaq nur wenig nach, denn der verlor im gleichen Zeitraum 78 Prozent. Der Dow Jones dagegen, der trotz seiner sonderbaren Berechnungsweise immer noch von vielen als der Leitindex der Weltbörsen angesehen wird, verlor im gleichen Zeitraum nur 32 Prozent.

So ist es denn auch kein Wunder, dass in der seit März 2003 anhaltenden Aufwärtsbewegung die besonders tief gefallenen Indizes  stärker wieder aufholen konnten als der im Vergleich zu ihnen recht stabile Dow Jones. Nichtsdestotrotz legte auch er zu.

Wegen des Vorsprungs, den der Dow gegenüber den stärker gefallenen ehemaligen Lieblingen der Anleger hatte, befindet er sich nun nur noch knapp unterhalb des Kursgipfels vom 14. Januar 2000. Damals erreichte er sein Top bei einem Kursstand von 11.750 Punkte. Ende vergangener Woche kam der Index diesem Rekordniveau schon sehr nahe. Am Freitag stieg der Dow Jones zwischenzeitlich bis auf 11.614 Punkten und lag also nur knapp mehr als einen Prozentpunkt unterhalb des Gipfels.

Bergsteiger kennen das Gefühl. Nach einer anstrengenden Tortur, bei der man zwischenzeitlich immer einmal wieder geneigt war aufzugeben, werden neue, bisher verborgen gebliebene Kräfte freigesetzt, sobald das Ziel vor Augen liegt. Ähnliche Effekte findet man auch an den Märkten. Sobald eine Aktie oder ein Index in die Nähe eines markanten Punktes kommt, setzten die Investoren alles daran, ihn auch tatsächlich zu erreichen. Solche wichtigen Wegstrecken sind in der Regel "runde" Kursniveaus (Deutsche Telekom 100 Euro), aber auch ehemalige Höchststände wie nun gerade beim Dow Jones.