Von Themeneinfalt und Gleichschaltung im Medienbetrieb war an dieser Stelle schon zu lesen. Unlängst glaubte landauf, landab jede Redaktion von Mando Diao berichten zu müssen.

In den vergangenen Wochen galt Ähnliches für die New Yorker Scissor Sisters . Die SZ ging in ihrem Wochenendteil voran, viele Blätter folgten, in dieser Woche Die Welt und das französische Wochenmagazin Les Inrockuptibles . Wer zurückblättert, entdeckt die schrille Combo auf dem Titelbild der Spex und im Rolling Stone . Jubel allerorten! Warum alle immer das Gleiche schreiben, es bleibt ein gut gehütetes PR-Geheimnis.

Die Lieblingsfragen im Zusammenhang mit den Scissor Sisters lassen sich auf drei Themenkomplexe reduzieren. Punkt eins: Die Scissor Sisters sind in Europa sehr erfolgreich und in ihrer Heimat eher ein Geheimtipp. Punkt zwei: Sänger Jake Shears war früher Gogo-Tänzer und ist mit Elton John befreundet, der zum neuen Album ein paar Piano-Akkorde beigesteuert hat. Punkt drei: Genre-Vermengungen und Geschlechter-Theatralik. Ach ja, und irgendwie klinge das zweite Album der Scherenschwestern stärker nach den 70ern als ihr Debüt. Wirkliche Kritik, einen anderen Zugang zur Hysterie der Stunde sucht man vergebens.

In den Monatsmagazinen gibt es auch andere Themen. Als Erbverwalter der Rockgeschichte widmet der Rolling Stone den verstorbenen Rock-Stars Syd Barrett und Arthur Lee Nachrufe und erklärt - wir ahnen es - das neue Bob-Dylan-Werk zum Tonträger des Monats.

Überraschender ist die Themenauswahl in der aktuellen Nummer der Spex . Die Osnabrücker Pendikel schaffen es mit Don’t cry, Mondgesicht zur Platte des Monats. Ihnen zur Seite: Sport ( Aufstieg und Fall der Gruppe Sport ) aus Hamburg.

In Spex und Inrockuptibles Thema sind The Rapture aus New York. Sie sind spannender als die Scissor Sisters und mit ihrem Punk-Funk auf der Bühne von geradezu einnehmender Präsenz.
Mit Pieces Of The People We Love sind sie momentan in allen Plattenläden vertreten – drei Jahre nach dem Rummel, der die Veröffentlichung ihres ersten Albums begleitete. Es sei kein wirklich avantgardistischer Liederreigen geworden, schreibt Stéphane Deschamps in Les Inrockuptibles , aber insgesamt „homogener, direkter, frischer, eingespielter als das zerklüftete, zersplitterte“ Debütalbum Echoes .