Ist die nachmittägliche Begrenzung der Musiklautstärke in Bierzelten des Münchener Oktoberfests auf 85 Dezibel angemessen? Oder muss man dann bereits ein “Flüsterwiesn“-Lamento anstimmen wie vergangenes Jahr die Zeltwirte und örtlichen Boulevardblätter, als die Verordnung erlassen wurde?

Das sind Fragen, die die Wiesn bewegen! Denn Musik ist zu einem entscheidenden Faktor auf dem größten Volksfest der Welt geworden – und dies nicht erst letzthin.

Mitte der Achtziger begannen sich die Dinge zu ändern. Am Bierumsatz lässt es sich ablesen: Wurden 1982 noch etwa 43.000 Hektoliter Bier ausgeschenkt, waren es 1985 bereits 54.000 Hektoliter und 1999 schon über 60.000. Parallel dazu hat sich die Musik im Bierzelt verändert und intensiviert.

Das betrifft nicht nur Entwicklungen im technischen Bereich, also den Einsatz leistungsfähigerer Lautsprechersysteme, den Einzug von E-Gitarre und E-Bass in die traditionellen Blaskapellen und das Aufrücken charismatischer Sänger, die den Dirigenten der Blaskapellen die Show stehlen: Das musikalische Material selbst hat sich verändert.

Angefangen hat das ziemlich genau 1984. Der Titel Fürstenfeld der österreichischen Gruppe S.T.S. eroberte in jenem Jahr alle Bierzelte. Erstmals gab es einen Wiesn-Hit. Den sollte es von nun an jedes Jahr geben; die lokale Presse half dabei. So folgten 1985 Life Is Life von Opus und 1986 Resi, i hol di mit meim Traktor ab’ von Wolfgang Fierek.

Dabei löste sich der modische Pop-Song nur langsam von der konservativen Bierzelt-Atmosphäre. Jene ersten, zwischen die volkstümliche Blasmusik eingestreuten Hits, hatten ihre Wurzeln in den Alpen. Fürstenfeld oder Resi, i hol di…’ ließen sich idiomatisch eindeutig zuordnen, Opus war als österreichische Gruppe bekannt und von Haus aus wiesntauglich. Obwohl sich das Bierzelt-Repertoire bereits Ende der achtziger Jahre mehr und mehr aktuellen Chart-Hits und Klassikern aus Unterhaltung, Schlager und Pop öffnete, ist der Hang zum Folkloristischen bis heute ungebrochen, wenn auch räumlich nicht mehr auf die Berge beschränkt.