Der Sturm der Entrüstung fegt weiter durch die islamische Welt: Während der Vatikan die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Propheten Mohammed und zu der gewaltsame Verbreitung von Religion verteidigt, warf die Islamische Konferenzorganisation OIC mit 57 Staaten dem Oberhaupt der katholischen Kirche eine »Verleumdungskampagne« gegen den Islam vor. Der Vatikan entgegnet, der Papst habe niemals die "Werte des Islam" in Frage stellen wollen. Das sagte der neue Außenminister des Heiligen Stuhls, Monsignore Dominique Mamberti. Vielmehr sei der "Dialog mit den großen Kulturen" ein Hauptanliegen Benedikts XVI.. Palästinensische Hamas-Anhänger protestieren vor dem Parlament in Gaza-Stadt. BILD

Religionsvertreter aus verschiedenen islamischen Ländern sprachen von Beleidigung und Gotteslästerung. Sie forderten eine Entschuldigung des Vatikans. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel Benedikt gegen die Kritik verteidigte, äußerte der Grünenpolitiker Volker Beck Verständnis für die muslimischen Reaktionen.

In der Palästinenserstadt Gaza wurde unterdessen ein Sprengstoffanschlag auf eine christliche Kirche verübt. Auch die ägyptische islamische Arbeitspartei attackierte die Äußerungen des Papstes und rief zu Protesten auf. Die Partei erklärte: »Wacht auf, Muslime, der Papst beleidigt den Propheten und bezeichnet den Islam in seiner Ahnungslosigkeit als möglichen Feind.« Die radikale ägyptische Moslembruderschaft verlangte eine Entschuldigung. Benedikt XVI. gieße »Öl aufs Feuer«. Ein iranischer Kleriker und Mitglied des höchsten islamischen Gremiums des Landes bezeichnete die Papst-Äußerungen als »unerhört«.

Das pakistanische Parlament verabschiedete einstimmig eine Resolution, in der es heißt, die Äußerungen Benedikts verletzten die Gefühle der Muslime, erzeugten eine Kluft zwischen den Religionen und stellten einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention dar. Die Parlamentarier forderten eine Zurücknahme der Worte. Muslimische Gelehrte in Indien kritisierten die Äußerungen des Papstes als »unverantwortlich« und »blasphemisch«. Im mehrheitlich muslimischen indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir beschlagnahmten Polizisten vorsorglich Tageszeitungen, in denen über die Äußerungen berichtet wurde, um Unruhen zu verhindern. Dennoch kam es zu Protestdemonstrationen.

Die Welle der muslimischen Empörung folgt neun Monate nach dem Beginn gewaltsamer Proteste wegen der Veröffentlichung von Mohammed- Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung. Die OIC kritisierte auf einer Tagung im saudi-arabischen Dschidda, der Papst habe Mohammed als »böse und unmenschlich« dargestellt. In einer Erklärung heißt es: »Die OIC hofft, dass diese Kampagne nicht der Prolog für eine neue Politik des Vatikans gegenüber dem Islam ist, besonders nach den vielen Jahrzehnten des Dialoges, der die Kleriker des Vatikans und die führenden Denker und Religionsgelehrten der Muslime einander näher gebracht hat.«