400 Bands aus 27 Ländern

Die Internationale Funkausstellung ist kaum aus den futuristisch anmutenden Messehallen Berlins gewichen, da stehen schon die nächsten Stände. Am Mittwoch, dem 20. September, beginnt die 18. Popkomm . Drei Tage lang lautet das selbstbewusst-schlichte Motto „Music Meets Here“.

Die größte Musikmesse der Welt, die ihren Ursprung in Köln hatte, findet nach ihrem Umzug nun zum dritten Mal in Berlin statt. Einmal mehr trennen sich auf ihr West und Ost, Geschäft und Party. In den Westberliner Messehallen tummeln sich die Plattenfirmen, Plattenhändler und Trendbeobachter, und auf dem Kongress ebendort beraten Branchenvertreter und andere Fachkundige über die Lage der Musikindustrie. Weiter östlich, jenseits des Brandenburger Tores, soll das Popkomm-Festival die Musikbegeisterten dann allabendlich in die Clubs ziehen.

Im Westen herrscht das nüchterne Geschäft vor, im Programm zumeist angekündigt in gewichtigem Manager-Englisch. In Räumen namens Stockholm und Oslo kommen Führungskräfte der Musikbranche zu Wort. Auf dem Kongress wird nicht nur über die unverwüstlichen Themen wie illegale Musikdownloads oder neue Kopierschutzverfahren diskutiert, auch den wirtschaftlichen Perspektiven des osteuropäischen Musikmarktes sind etliche Vorträge gewidmet. Wie vermarktet man Künstler aus Russland oder Tschechien? Wie bedeutsam sind MP3s in der Slowakei?

Im Themenfeld „Pop und Politik“ stehen die sogenannten Kreativindustrien im Mittelpunkt. Im Vergleich zu den USA und Großbritannien werde in Deutschland dieser Industriezweig zu wenig gefördert von Wirtschafts- und Kulturpolitik – so eine These in der Diskussion.

„Die diesjährige Popkomm ist vor allem eine Wirtschaftsmesse“, betont Wolfgang Wagner, Pressesprecher der Messe. Der Musikkonzern Sony BMG ist zum ersten Mal dabei, der Konkurrent Universal Music erstmals mit einem internationalen Programm. Die stärkere Betonung der Wirtschaft zeigt sich auch auf der eigentlichen Messe: 817 Stände aus 48 Ländern sind es, 40 mehr als im Vorjahr. „Die Popkomm wächst“, sagt Wagner, 15000 Besucher seien es im Vorjahr gewesen, diesmal würden es mehr.

Einmal mehr steht die Vergabe des Innovationspreises IMEA an. Er gilt der besten musikalischen oder unterhaltungsorientierten Geschäftsidee. Elf Aspiranten sind im Finale, unter ihnen ein Musikmagazin, ein Internet-Musik-Forum oder mehrere Musiklizenzanbieter.

400 Bands aus 27 Ländern

Vom der Popkomm-Messe in Nordwesten Berlins wird auf dem Popkomm-Festival im Osten nicht allzu viel zu spüren sein. In 30 Clubs am Prenzlauer Berg, in Friedrichshain und in Kreuzberg erwarten den Musikbegeisterten eine Mischung unterschiedlicher Stile und Herkunft. Während der Kongress tagsüber noch über die Marktchancen in Osteuropa diskutiert, öffnen sich die Clubs nachts schon den neuen Einflüssen. Zum ersten Mal spielt eine kroatische Gruppe auf der Popkomm, die Schrammelrockband The Bambi Molesters; auch slowenischer Funk ist in der Kulturbrauerei zu hören. Sonst finden sich kaum Überschneidungen zwischen Kongress und Festival.

Brasilien ist in diesem Jahr das Partnerland der Popkomm. Musikalisch hat es mehr zu bieten als die hierzulande assoziierte Fußballfolklore: elektronische Beats, Liedermacherpop, Rock’n Roll. Insgesamt spielen 400 Bands aus 27 Ländern. Bei dieser Menge lassen sich auch skurrile Land-Musik-Kombinationen finden. Australischer Country, finnischer Deathmetal, und, ja, neue holländische Welle.

„Die Zahl der Bewerbungen ist gestiegen“, sagt Wagner. Im vergangenen Jahr hätten sich an die 1000 Bands um einen Popkomm-Auftritt bemüht, dieses Jahr seien es 2300 gewesen. Unbekannte Musiker sehen hier eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Große wie kleine Plattenfirmen hören sich hier nach neuer Musik um oder präsentieren ihre Bands auf Label-Abenden. Das Berliner Clubpublikum ist der Testmarkt.

Bekannte Musiker sind im Programm daher eher die Ausnahme. Von Billy Talent, Joy Denalane oder auch Bif Naked hat man schon gehört, ansonsten liest man die meisten Namen zu ersten Mal.

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