Was sind das nur für Zeiten. Der Papst zitiert einen Satz aus einem arkanen Text, und weltweit wird deshalb Feuer gelegt und gemordet.

So darf man es sehen, auch wenn die Sichtweise ein wenig unpolitisch ist. Sie findet sich beispielsweise im französischen Le Figaro , der dazu aufruft, „eines der Fundamente unserer modernen Gesellschaften zu verteidigen - die Gedankenfreiheit, so wie die Glaubensfreiheit.“ Das Gelächter Voltaires, das würden wir jetzt gerne hören!

Ähnlich wie das konservative Pariser Blatt argumentiert die Washington Post , in der Anne Applebaum schreibt, dass der Westen zwar kein monolithischer Block sei, jetzt aber zusammenrücken müsse: „Wir können uns vereinigen in unserer Unterstützung der Redefreiheit – natürlich darf der Papst aus mittelalterlichen Texten zitieren – und der Pressefreiheit. Und wir können alle zusammenfinden in hörbarer, laut ausgesprochener Verurteilung von Gewaltakten gegen Kirchen, Botschaften und Nonnen.“ Und wer ist „wir“? Anne Applebaum zählt auf: „Das Weiße Haus, der Vatikan, die deutschen Grünen, das französische Außenministerium, die Nato, Greenpeace, Le Monde und Fox News – die westlichen Institutionen der Linken, der Rechten und des gesamten Spektrums dazwischen.“ Zumal nichts von dem, was der Papst von sich gegeben habe, auch nur annähernd dem entspreche, was alltäglich an Extremismus und Hass in der muslimischen Welt Äußerung finde.

Wie gesagt, so kann man es sehen. Vor allem der letztgenannte Punkt, die mangelnde Reziprozität, ist ein Thema der westlichen Presse, namentlich der christlich orientierten dieses Dienstags. So schreibt – erwartungsgemäß – die polnische Rzespospolita : „Die Christen werden von den Muslimen immer häufiger wie Geiseln behandelt. Ein Wort zu viel, ein unpassender Text, eine ungeschickte Metapher, und schon am nächsten Tag kann es Proteste unvorstellbaren Ausmaßes hageln.“ Stimmt schon. Die Hypersensibilität, ja Weinerlichkeit, gepaart mit stets aktualisierbarer Gewaltbereitschaft, wie sie sich in der muslimischen Welt breitgemacht hat, ist schon ein Phänomen.

Nur verhält es sich eben nicht so, dass sie dem Papst unbekannt gewesen sei. Mit vollem Recht schreibt deshalb die Jerusalem Post : „Es handelt sich nicht um einen Versprecher“, und „aufrichtige Beobachter können nicht behaupten, sie seien von solchen Erklärungen überrascht gewesen“, schließlich kenne man Ratzingers Auffassungen. „Manche glauben, dass Ratzinger wegen seiner Agenda zum Papst gewählt wurde und um eine feste Haltung gegenüber dem Islam einzunehmen.“ So sieht es auch The Statesman aus dem pakistanischen Peshawar und kommentiert: „Papst Benedikt hat durch seine unklugen und unbegründeten Bemerkungen gegen den Islam und den Heiligen Propheten Mohammed (Friede sei ihm) bewiesen, dass seine Wahl zum Papst von mehr als einer Milliarde katholischer Christen keine gute Wahl war.“