Ein Jahr nach der Bundestagswahl hat sich die SPD in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als stärkste Kraft behauptet und kann sich ihre Koalitionspartner aussuchen. Obwohl die Sozialdemokraten im Nordosten schwer verloren, ist eine Neuauflage der rot-roten Regierung unter Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) möglich, aber auch eine Große Koalition mit der knapp geschlagenen CDU. In der Hauptstadt hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Wahl zwischen einer Neuauflage seiner Koalition mit der Linkspartei oder einem Bündnis mit den Grünen. In Mecklenburg-Vorpommern zog außerdem die rechtsextremen NPD in den Landtag  ein.

In der Hauptstadt konnte die SPD erwartungsgemäß etwas zulegen. Wowereit will nun sowohl mit der Linkspartei als auch mit den Grünen Sondierungsgespräche über eine gemeinsame Regierung führen. "Ich glaube, es ist mit beiden möglich", sagte Wowereit. Ob in Mecklenburg-Vorpommern die SPD weiter mit der PDS/Linkspartei regiert, war auch nach Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses unklar. Ringstorff will mit Linkspartei und CDU sprechen. Mit Blick auf Rot-Rot sagte er: "Es stimmt, dass es in der zweiten Legislatur mit der PDS nicht mehr so einfach war."

Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck erkannte in dem Wahlergebnis  einen Regierungsauftrag für Ringstorff und einen Vertrauensbeweis für Wowereit. Die Bundes-SPD will nach den Worten von Generalsekretär Hubertus Heil aber keinen Einfluss auf die Koalitionsentscheidungen nehmen. Zur NPD sagte Heil: "Rechtsradikale Verbrecher gehören nicht in den Landtag, sondern vor Gericht."

Während die Berliner CDU mit Spitzenkandidat Friedbert Pflüger auf den niedrigsten Stand ihrer Geschichte seit den frühen fünfziger Jahren bei Abgeordnetenhauswahlen sackte, kamen die Christdemokraten um Jürgen Seidel im Nordosten fast an die SPD heran. CDU-Vize Christian Wulff plädierte für eine Große Koalition in Mecklenburg-Vorpommern und kritisierte: "Rot-Rot hat zum Erstarken des rechten und linken Randes geführt."

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis stürzte die SPD in Mecklenburg-Vorpommern um gut zehn Prozent auf 30,2 Prozent ab (2002: 40,6). Die CDU erreichte nur noch 28,8 Prozent (31,4), ihr bisher schlechtestes Landtagswahl-Ergebnis dort. Die Linkspartei schaffte 16,8 Prozent (16,4). Der FDP gelang mit 9,6 Prozent nach zwölf Jahren der Wiedereinzug in den Landtag (4,7). Die Grünen verpassten mit 3,4 Prozent (2,6) den Sprung ins Schweriner Parlament. Dagegen überwand die NPD mit 7,3 Prozent (2002: 0,8) die Fünf-Prozent-Hürde. Die Sitze sind folgendermaßen verteilt: SPD 23 (2002: 33), CDU 22 (25), Linkspartei 13 (13), FDP 7, NPD 6.

In Berlin erzielte die SPD nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 30,8 Prozent (2001: 29,7), die CDU 21,3 Prozent (23,8). Die Linkspartei stürzte auf 13,4 Prozent (22,6). Die Grünen legten deutlich auf 13,1 Prozent (9,1) zu. Die Freien Demokraten kamen auf 7,6 Prozent (9,9). Die Sitzverteilung hier: SPD 53 (2001: 44), CDU 37 (35), Linkspartei 23 (33), Grüne 23 (14), FDP 13 (15). Rund 3,8 Millionen Menschen waren zu den beiden Wahlen aufgerufen. Die Beteiligung war hier wie dort gering und erreichte jeweils nur um die 60 Prozent. 

Angesichts der schwachen Umfragewerte der Großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel wollten CDU und SPD vor den Wahlen von einem Stimmungstest nichts wissen. Die Bundespolitik blieb in beiden Wahlkämpfen weitgehend außen vor.