Klarer Sieg für die SPD in Berlin, knappes Rennen in Mecklenburg-Vorpommern: Die Sozialdemokraten in der Hauptstadt können laut Prognosen von ARD und ZDF (18.00 Uhr) nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus vom Sonntag die Koalition mit der geschwächten Linkspartei fortsetzen oder mit den erstarkten Grünen regieren. Im Nordosten hätte die andere rot-rote Regierung demnach trotz schwerer Verluste der SPD eine knappe Mehrheit. Hier lag die CDU aber nur hauchdünn hinter den Sozialdemokraten. Bei niedriger Wahlbeteiligung gelang der rechtsextremen NPD der Sprung in den Schweriner Landtag und damit in das zweite ostdeutsche Parlament.

In der Hauptstadt konnte die SPD mit ihrem populären Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit nach den Prognosen etwas zulegen. Ob in Mecklenburg-Vorpommern die SPD von Ministerpräsident Harald Ringstorff weiter mit der früheren PDS regiert, war am frühen Abend zunächst unklar. Während die Berliner CDU mit Spitzenkandidat Friedbert Pflüger eine herbe Niederlage erlitt, kamen die Christdemokraten um Jürgen Seidel im Nordosten an die SPD heran.

Rund 3,8 Millionen Menschen, davon allein 2,43 Millionen in Berlin, waren zur Wahl aufgerufen. Bei beiden Wahlen war die Wahlbeteiligung gering. Der historische Tiefstand bei einer Landtagswahl lag bisher bei 44,4 Prozent in Sachsen-Anhalt im März.

In Berlin erzielte die SPD laut Prognosen kurz nach Schließung der Wahllokale 30 bis 31,5 Prozent (2001: 29,7), die CDU 21 bis 22 Prozent (23,8). Die Linkspartei stürzte auf 13,5 Prozent (22,6). Die Freien Demokraten kamen auf 7,5 Prozent (9,9). Die Grünen legten deutlich auf 13,5 (9,1) zu. Die in Konkurrenz zur Linkspartei erstmals angetretene Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) blieb klar unter der Fünf-Prozent-Hürde.

In Mecklenburg-Vorpommern sackte die SPD auf 29 bis 30 Prozent (2002: 40,6). Die CDU erreichte 28,5 bis 30 Prozent (31,4). Die Linkspartei schaffte 18 Prozent (16,4). Der FDP gelang mit 9,5 bis 10 Prozent erstmals nach 12 Jahren der Wiedereinzug in den Landtag (4,7). Die Grünen verpassten mit 3,5 Prozent (2,6) genauso den Sprung ins Schweriner Parlament wie die WASG. Dagegen überwand die NPD mit 6 bis 6,5 Prozent (2002: 0,8) die Fünf-Prozent-Hürde.

Angesichts schwacher Umfragewerte der großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollten CDU und SPD vor den Wahlen von einem Stimmungstest nichts wissen. Tatsächlich blieb die Bundespolitik in beiden Wahlkämpfen weitgehend außen vor. Auf dem Prüfstand stand vor allem das umstrittene Modell Rot-Rot.