Manchmal ist es dann doch überraschend, wie sehr die NPD dem Klischee entspricht: Als die Partei am Sonntagabend ihren Einzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern feiert, stehen auch ein paar Lachsschnittchen auf dem Buffet in den „Radeberger Bierstuben“, einem Gartenlokal am Rande des Schweriner Schlossgartens - doch die versammelten Rechtsextremisten langen viel lieber bei Grillhaxe, Sauerkraut und Brezeln zu.

Die Stimmung ist ausgelassen bis triumphierend, es gibt Freibier für die Wahlkampfhelfer, die „bis zum Letzten gekämpft“ haben, wie Landeschef Stefan Köster sagt. Spitzenkandidat Udo Pastörs versucht, einem ZDF-Kamerateam zu erklären, was denn genau gemeint ist mit dem Satz „Deutschland ist größer als die Bundesrepublik“. Irgendwann skandieren die Kameraden gemeinsam: „Hoch die na-tio-na-le Solidarität!“

Für die nächsten fünf Jahre ist die NPD mit sechs Abgeordneten im Schweriner Landtag vertreten. Trotzdem war am Sonntagabend in den Wahlstudios und in den ersten Pressekommentaren eine eigenartige Erleichterung zu spüren – ganz so schlimm sei es nun doch nicht gekommen. In den letzten Tagen vor der Wahl hatte die Diskussion um die NPD ja auch leicht hysterische Züge angenommen, ein Meinungsforscher traute der Partei sogar ein zweistelliges Ergebnis zu.

Neben diesen hochgeputschten Erwartungen sieht die Realität fast harmlos aus. Dabei hat die NPD ihr offizielles Wahlziel von „sieben Prozent plus x“ (das noch vor Monaten von vielen als illusorisch betrachtet wurde) exakt erreicht. Gegenüber der letzten Landtagswahl (0,8 Prozent) hat sie ihren Stimmenanteil fast verzehnfacht. Zieht man die Bundestagswahl vor einem Jahr zum Vergleich heran, ist es noch immer eine Verdoppelung. Und das trotz einer gar nicht so niedrigen Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent.

Das Beunruhigendste am Landtagseinzug von Schwerin ist, dass die NPD ihn aus eigener Kraft geschafft hat. Vor zwei Jahren in Sachsen schwamm sie auf der allgemeinen Protestwelle gegen Hartz IV. Zwar war man auch in Mecklenburg-Vorpommern unzufrieden mit der rot-roten Landesregierung, und verdrossen von Merkels Großer Koalition sowieso. Diesmal aber hat die NPD durch einen hochprofessionellen Wahlkampf und die Unterstützung der im Land gewachsenen Neonazi-Kameradschaften ihre Wähler mobilisiert. Wie bereits in Teilen Sachsens hat sich die Partei in Mecklenburg, vor allem aber in Vorpommern einen festen Wählerstamm erarbeitet.

Tino Müller, der Führer einer Neonazi-Kameradschaft aus Vorpommern zum Beispiel, holte in seinem Wahlkreis Uecker-Randow I rund 15 Prozent der Stimmen. Vor einem Jahr waren es erst etwa halb so viele. In Vorpommern gab es am Sonntag ersten Meldungen zufolge Gemeinden, in denen die NPD sogar stärkste Partei wurde. Genau das ist ihr Ziel: Landtags- oder gar Bundestagsmandate interessieren sie nicht wirklich. Sie will die ostdeutsche Provinz erobern, erst nett und korrekt auftreten und sie dann in kleinen Schritten faschisieren. Sie träumt davon, in einigen Jahren Bürgermeister zu stellen. Das seien keine Neonazis mehr im eigentlichen Sinne, hört man schon heute im vorpommerschen Dörfchen Bargischow eine Wählerin sagen. „Man muss umdenken. Vielleicht bewegen die doch was!“