Hat der Transrapid nach dem grausigen Unfall vom vergangenen Freitag, durch den 23 Menschen starben, eine Zukunft? Die Medien sind in dieser Frage gespalten, die Konfliktlinien verlaufen klar zwischen wirtschaftlichen und technologiekritischen Positionen. Wirtschaftsnahe Zeitungen sind überwiegend geneigt, trotz der offenkundigen Sicherheitsmängel aus ökonomischer Sicht für die Magnetschwebebahn zu argumentieren, die lange als deutsche Vorzeigetechnologie galt und auch als Exportschlager gedacht war; gerade erst hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee Gespräche in China über eine zweite Transrapidstrecke geführt, bevor ihn der Unfall vorzeitig zurückzwang. Die meisten anderen Zeitungen dagegen äußern große Skepsis. Manche zweifeln gar an der Notwendigkeit von stetigem technologischem Fortschritt.

Die Financial Times Deutschland , eindeutig auf der Wirtschaftsseite, hielte es für voreilig, das Projekt aus Gründen der Sicherheit zu verdammen. Eine letzte Chance habe die Schwebebahn verdient, schließlich müsse die deutsche Technologie sich und der Welt beweisen, „dass sie mehr ist als die geniale Idee eines Ingenieurs, nämlich dass deutsche Industriepolitik auch marktfähige Produkte hervorbringen kann“. Das bedeute allerdings nicht, dass der Transrapid unter allen Umständen großflächig umgesetzt werden müsse.

Die Leipziger Volkszeitung macht sich ebenso für den Standort Deutschland stark. „Schließlich geht es um nichts Geringeres als die Innovationsfreundlichkeit wie -fähigkeit des Standortes Deutschland.“ Beide würden nach Ansicht des Blattes einen gehörigen Schaden erleiden, wenn der Magnetzug in andere Staaten abfährt.

Auch die Welt argumentiert ökonomisch. Absolute Sicherheit werde von keinem Verkehrsmittel, weder Auto, Flugzeug, Schiff, Zug oder Lift noch vom Transrapid geboten. Mit diesem einen Unfall lasse sich allerdings noch keine belastbare Statistik ableiten. Für die Entscheidungsfindung für oder gegen eine Transrapid-Strecke vom Münchner Flughafen in die Innenstadt dürfe das Unglück von Lathen daher keine Rolle spielen. Zu befürchten sei allerdings, dass „sich in der aktuellen Gemengelange die Gegner der Magnetbahn durchsetzen werden“. Dies aber wäre das endgültige Aus für eine deutsche Exporthoffnung, meint die Welt .

Im Handelsblatt liest sich das kaum anders. Mobilität sei in einer hochtechnologisierten Welt stets von Risiken begleitet vom Restrisiko einer nicht immer perfekt funktionierenden Technik ebenso wie vom menschlichen Versagen. Es spreche also viel dafür, die Magnetbahn nicht per se als unsicher oder gar gefährlich zu verdammen.

Das einzige Blatt, das auf wirtschaftlicher Ebene dem Transrapid kritisch gegenübersteht, ist die Neue Osnabrücker Zeitung . Sie hält es für fatal, würde das Projekt Magnetbahn nun eilig fortgeführt werden. „Interessenten im Ausland werden genau beobachten, welche Lehren die Deutschen aus ihrer Transrapid-Katastrophe ziehen.“ Sollten diese weder selbstkritisch ausfallen noch mehr Sicherheit zur Folge haben, meinen die Osnabrücker Kollegen, wäre es um die Zukunft der Magnetbahntechnik geschehen. „Tempo ist also das Letzte, was den Transrapid jetzt noch retten kann.“