Eine Londoner Modewoche wäre nicht komplett, würde zur halbjährlichen Prét-à-Porter-Schau an der Themse nicht mehr Professionalität angemahnt oder gar die Abschaffung gefordert. Bislang gelang es der Fashion Week nicht, an die wichtigeren Schauen für tragbare Mode in Paris, Mailand und New York heranzureichen. London zeigte eher die schräge, aufgeflippte Kleidung – längst nicht alles ready to wear .

Doch dieses Mal bemühte sich die Londoner Modewoche, die am Freitag endet, erwachsener zu wirken. Alte Etiketten wie "avantgardistisch“, "experimentell“ und "grenzwertig" tauchten selten auf. Namhafte britische Marken zeigten gar nüchterne Frühjahrs- und Sommerkollektionen für 2007 - Bluse und gediegene Shorts inklusive. Die Grande Dame des Modejournalismus, Suzy Menkes von der International Herald Tribune , sieht sogar den kühl geschneiderten Chic aus Margaret Thatchers Großbritannien der 1980er Jahre wieder aufziehen.

Trotz der neuen Nüchternheit hat London einige seiner traditionellen Eigenheiten behalten. Zu ihnen gehört das Designer-Duo Antoni & Alison. Seit 1998 stellen Antoni Burakowski und Alison Roberts während der Fashion Week neue Entwürfe vor, meist in kunstvoller Kulisse und an inspirierenden Orten. Dabei hielten sie stets Distanz zum Modebetrieb, schafften es aber dennoch zuletzt in die Fashion-Bibel Vogue .

Bunt und verspielt ging es dieses Mal auf ihrer Schau zu. Den Rahmen bildete Shakespeares Sommernachtstraum - komplett mit Kobold Puck, Esel und Elfen - und das imponierende Mary Ward House, ein Arts & Crafts-Bau von 1898. Auf schlicht geschnittenenKleidern und Shirts, rüschigen Shorts und gerade fallenden Röcken prangten Obst- und Gemüse-Motive in eher zartem Grün, Orange, Violett und Weiß. Diese Muster zierten auch die Schuhe, die Antoni & Alison gemeinsam mit Schuhfabrikant Unterground England entworfen haben. Insgesamt eine leichte und verträumte Mode mit zurückhaltender Grazie.

War es ein gewollter Kontrapunkt zum neuen Ernst? "Mit Modetrends haben wir nichts zu tun", sagt Antoni Burakowski. Den Sommernachtstraum wollten sie schon seit Jahren umsetzten. Ihre Entwürfe seien zudem Teil ihres künstlerischen Gesamtwerks. Denn das Duo ist auch für seine Konzeptkunst und Fotoarbeiten bekannt. Im A & A-Universum hängt am Ende irgendwie alles mit allem zusammen. Daran basteln die beiden, seit sie sich Anfang der 1980er Jahre an einer Londoner Kunstschule getroffen haben.

In die Modebranche stiegen sie einst mit vakuumverpackten Slogan-T-Shirts mit Aufschriften wie „I Love Me“ ein – lange, bevor das Tragen solcher Botschaften internationaler Volkssport wurde. Kleidung und Accessoires mit einem subtilen Humor als Grundton gehören seitdem zu den Dingen, mit denen sich „Antoni & Alison“ eben auch beschäftigen. Einfälle und Ideen aus anderen Bereichen werden in die Mode transportiert. Selbst einige Fotografien der beiden finden den Weg in ihre Kleiderentwürfe.

Ihr Hauptquatier im Londoner Stadtteil Southwalk ist gleichzeitig skurriles Museum des eigenen Schaffens und kann im Internet ( www.antoniandalison.co.uk ) besucht werden. "Wir würden die Modewelt noch mehr lieben, wenn das Business nicht so sehr von Gesichtern und Prominenz abhinge", sagt Roberts, "sondern mehr von der Arbeit und den Ideen. Es geht nicht darum, ein Name auf einem T-Shirt zu sein, oder eine große Marke." Selbst wenn sie heute längst etabliert sind - so ganz erwachsen werden sie wohl nie werden.

Das scheint, trotz allem, auch für die Londoner Fashion Week zu gelten. Wie üblich interessierten sich auch in diesem Jahr die Medien weniger für die neuen Kleider als für zu dünne Models und Kate Moss. Und die Trends? Das Schottenkaro kommt zurück, insbesondere der Schottenrock. Out ist dagegen der Einheitslook der Wags , jene von Victoria Beckham angeführten „Wives and Girlfriends“ der englischen Nationalspieler mit ihren extra engen Jeans, luftigem Oberteil, big hair und überdimensionierten Sonnenbrillen. Und wenn Suzy Menkes recht hat, ist es außerdem höchste Zeit, den G-String-Tanga zu verbrennen: Alles, was bei einer Dame von Welt heute unter Hosen- und Rockbund hervorlugen darf, sind die schmalen, bunten Streifen einer Boxershorts von Paul Smith.