Ein Transrapid ist am Freitag mit Tempo 170 auf der Teststrecke im Emsland in einen Werkstattwagen gerast und hat 23 Menschen in den Tod gerissen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fuhr zur Unfallstelle, zahlreiche Politiker äußerten ihre Bestürzung. Bis zum Abend waren den Angaben zufolge alle 23 Unfallopfer aus den Zugtrümmern geborgen worden. 10 Menschen haben überlebt. Fast 400 Rettungskräfte kämpften den ganzen Tag darum, zu den Opfern im völlig zerstörten vorderen Zugteil zu gelangen. Die Betreibergesellschaft und die Staatsanwaltschaft Osnabrück vermuteten menschliches Versagen als Unglücksursache. Zusätzlich seien auch technische Fehler - etwa Funkprobleme - denkbar, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. »Bei Einhaltung aller Bestimmungen wäre dieser Unfall nicht möglich gewesen«, sagte der Geschäftsführer der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG), Rudolf Schwarz, am Abend.

Die führerlose Schwebebahn war am Vormittag mit 33 Fahrgästen an Bord bei Lathen in Niedersachsen gegen den Werkstattwagen gerast. Auf diesem Wagen waren zwei Angestellte wie jeden Morgen damit beschäftigt, die Strecke von Ästen und Schmutz zu befreien. Normalerweise hätte der Transrapid erst starten dürfen, nachdem der Arbeitswagen die Strecke verlassen hatte. Die beiden Angestellten auf der Arbeitsplattform sollen den Unfall schwer verletzt überlebt haben. Rettungskräfte der Feuerwehr verschaffen sich über Drehleitern Zugang zum verunglückten Transrapid auf der Teststrecke bei Lathen© BILD-Zeitung dpa

Um 9.59 Uhr ging der Notruf in der Rettungsleitstelle des Kreises ein. Daraufhin eilten mehr als 150 Hilfskräfte zur Unglücksstelle zwischen den Orten Lathen und Melstrup. Der Zug war nach dem Unfall zwar nicht von der rund fünf Meter hohen Trasse der Schwebebahn gekippt. Allerdings war der vordere Zugteil nach dem Aufprall zerstört und hing von den Stelzen herab. Trümmer und Kleidung lagen auf mehreren hundert Metern entlang der Unglückstrasse verstreut. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab, um Schaulustige abzuhalten.

Mit zwei Kränen versuchten die Rettungskräfte, Teile des Wracks anzuheben, um zu den Eingeschlossenen zu gelangen. 10 Menschen wurden schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht. In dem Unglückszug befanden sich laut Polizei Mitarbeiter des Energieversorgers RWE sowie Mitarbeiter der Versuchsstrecke. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um Mitarbeiter des Regionalcenters Nordhorn, die aus den niedersächsischen Orten Nordhorn, Veldhausen und Meppen stammen. Weitere drei Passagiere sind der »Neuen Osnabrücker Zeitung« zufolge Mitarbeiter eines Papenburger Pflegedienstes.

Warum diese Gruppe von Menschen im Zug mitfuhr, war zunächst nicht bekannt. Die Industrieanlagen Betriebsgesellschaft (IABG) als Betreiberin betonte, es habe sich nicht um eine Besucherfahrt, sondern um eine »Messfahrt« gehandelt. Weitere Einzelheiten nannte die Gesellschaft nicht.

Bundespräsident Horst Köhler reagierte mit Bestürzung und Trauer auf das Unglück. »Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und bei denen, die jetzt an der Unfallstelle im Rettungs- und Bergungseinsatz sind«, sagte der Bundespräsident. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fuhr am Abend zur Unglücksstelle. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) brach seine China- Reise ab, um sich am Samstag am Ort über das Unglück zu informieren.

Tiefensee hatte in Peking mit dem chinesischen Eisenbahnminister Liu Zhijun über eine Verlängerung der Transrapidstrecke in Schanghai verhandelt. Dort verkehrt die bislang weltweit einzige kommerzielle Transrapid-Verbindung. Am 11. August war in Schanghai in einem Bahnhof ein Waggon in Brand geraten. Die Passagiere konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden.

In Deutschland wird derzeit über eine Transrapid-Verbindung zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt verhandelt. Das Projekt droht jedoch an den hohen Kosten zu scheitern, die für die 38 Kilometer lange Strecke auf bis zu 1,85 Milliarden Euro geschätzt werden. Der Betreiber des möglichen Transrapid-Projekts in München, die DB Magnetbahn GmbH, reagierte mit Bestürzung auf das Unglück. Sprecher Ulrich Krenn sagte der dpa, das Unglück habe auf das Vorhaben zunächst keine Auswirkungen. Ehe sich dazu etwas sagen lasse, müsse die Unfallursache geklärt sein.

Seit 1984 fährt die Magnetschwebebahn auf Europas längster Teststrecke im Emsland. Auf der 31,5 Kilometer langen Versuchsanlage erreicht die Schnellbahn Geschwindigkeiten bis zu 450 Stundenkilometern. Die Strecke mündet im Norden und Süden in zwei Wendeschleifen - dazwischen liegt ein 12 Kilometer langer Abschnitt, auf dem die Höchstgeschwindigkeiten erreicht werden.


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