Ein eigenes Heim taugt kaum zur Altersvorsorge, denn es ist teuer und bindet Kapital, das anderswo unter Umständen besser angelegt wäre: Den Lesern bot meine Einschätzung der vergangenen Woche offenbar reichlich Zündstoff. Kaum eine These wurde in den vergangenen Tagen auf ZEIT online so intensiv diskutiert wie diese , und die Pro-Immobilien-Fraktion dominierte die Debatte.

Einige ihrer Argumente möchte ich hier aufgreifen. Zum Beispiel den zweifellos richtigen Einwand, nichts biete mehr Wohnqualität als die eigenen vier Wände. Schließlich muss man sich mit keinem Vermieter darüber einigen, ob und wie beispielsweise das Bad renoviert werden soll, im Gegenteil: Als Eigentümer kann man alle Räume nach den eigenen ästhetischen Vorlieben und funktionellen oder ökologischen Ansprüchen gestalten – sofern es das eigene Portemonnaie zulässt, selbstverständlich.

Ebenfalls berechtigt: Das Standortargument. Das Häuschen im Grünen gilt vor allem Ehepaaren mit Kind noch immer als die beste aller möglichen Wohnformen, die eine kaum zu übertreffende Lebensqualität bietet, gerade für den Nachwuchs. Auch dem kann man wenig entgegenhalten – außer kalten Zahlen.

Jeder Eigenheimbesitzer ist gut beraten, all diese Punkte unter der Rubrik "Luxus" zu verbuchen. Denn auch die hohe Wohnqualität, die individuellen Freiheiten eines Eigenheimbesitzers oder die grünen Spielplätze, auf denen sich die Kinder austoben können, ändern nichts am grundlegenden finanziellen Dilemma der Häuslebauer oder –käufer: Jede Investition in neue angenehme Extras wie Fußbodenheizung, Wintergarten, Kamin, Garten und was sonst noch alles möglich ist, bindet über die Jahre mehr und mehr Kapital. Und die entscheidende Frage ist, ob sich im Falle eines Verkaufs der Immobilie die gleiche Summe wieder erlösen lässt – eine Frage, die künftig immer wichtiger werden wird.

Zweifellos steigert eine gut und gegebenenfalls sogar luxuriöse Ausstattung den Marktwert einer Immobilie. Häufig schlagen sich aber die mitunter erheblichen Kosten nur mit einem Bruchteil im Preis nieder, denn ob der Käufer beispielsweise die handgebrannten Kacheln aus der Toskana für 100 Euro pro Quadratmeter genauso liebt wie der Vorbesitzer und bereit ist, dafür zu zahlen, ist fraglich. Ein bisschen verhält sich das so wie mit der Sonderausstattung eines Autos. Jeder Neuwagenkäufer weiß: Die Liste der Ausstattungs-Extras ist lang und die Aufpreise happig. Doch verkauft er den Wagen nach zwei oder drei Jahren weiter, so springen in der Regel für Dinge wie Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen und anderen Schnickschnack gerade ein paar hundert Euro mehr heraus.

Nun haben viele Leser darauf hingewiesen, wie angenehm und sicher es doch sei, im Alter in einer eigenen, vollständig abbezahlten Immobilie zu wohnen. In diesem Fall sei das Auskommen trotz niedrigerer Einkünfte gesichert. Um es klar zu sagen: Wer sich in den vergangenen zwanzig oder dreißig Jahren für einen Immobilie entschieden hat, hat wenig falsch gemacht. Mitunter war es sogar die beste Entscheidung, die man treffen konnte. Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in dieser Zeit verlief gut, die Arbeitseinkommen sind zum Teil erheblich gestiegen, die Renten sind daher jetzt noch vergleichsweise hoch und sicher. Zusammen mit einigen anderen Faktoren hat dies alles nicht zuletzt für eine stabile Nachfrage nach Grundbesitz und damit steigende Immobilienpreise gesorgt.