Wenn in New York alles läuft wie gehabt, wird der Südkoreaner Ban Ki Moon am kommenden Montag zum Nachfolger von Kofi Annan gewählt. Der 62-jährige Karrierediplomat erhielt am Montagabend in einer Probeabstimmung im Sicherheitsrat die Stimmen aller fünf Veto-Mächte. Der Inder Shashi Tharoor, bisher Zweitbester in den Testläufen, hat seine Kandidatur zurückgezogen.
Zwar wird der Generalsekretär von der UN-Vollversammlung gewählt. Doch das Votum im Sicherheitsrat, dem obersten Gremium, gilt als richtungweisend. Damit ist so gut wie sicher, dass Ban Ki Moon nächste Woche achter Generalsekretär der Weltorganisation wird. Ban Ki Moon bei seinem letzten Auftritt vor den UN als südkoreanischer Außenminister am 21. September

Der amtierende UN-Chef Kofi Annan gibt den Posten am 31. Dezember ab. Dass der künftige Generalsekretär bereits drei Monate vorher feststeht, ist auch ein Zeichen der Einigkeit der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates. 1996 war dies noch anders: Während die USA ihren Favoriten, den Ghanaer Kofi Annan unterstützten, hielten die Franzosen bis kurz vor der entscheidenden Abstimmung zum amtierenden Generalsekretär, dem Ägypter Boutros Boutros-Ghali.

Der Südkoreaner wäre nach dem Burmesen U Thant erst der zweite asiatische UN-Generalsekretär. Ban, der fließend Englisch und Französisch spricht, ist vertraut mit dem UN-System. Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen in Seoul war er in den 1970er Jahren in der südkoreanischen UN-Vertretung in New York tätig. Später assistierte er den damaligen Präsidenten der UN-Vollversammlung, Han Seung Soo. Nach einer weiteren Laufbahn im diplomatischen Dienst Südkoreas wurde Ban 2004 unter Präsident Roh Moo Hyun Außenminister.

Ban gilt als besonnen und unauffällig. In seinem Auftreten wirkt er leise und weich. Mit persönlichen Meinungen hält er sich zurück – eben ein professioneller Diplomat. Besonderes Geschick bewies Ban vor zwei Jahren im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm, wo er zwischen dem Annäherungskurs seiner Regierung und der harten Linie Washingtons zu vermitteln versuchte.

Wegen seiner moderaten Art ist der Südkoreaner idealer Kandidat für die fünf Großmächte. Während beispielsweise Kofi Annan und Boutros Boutros-Ghali am Ende ihrer Amtszeit durch ihre Kritik an der Politik der USA in Washington in Ungnade gefallen sind, dürfte von Ban kein großer Widerspruch zu erwarten sein. Ihm werden sehr gute Beziehungen zu den Amerikanern nachgesagt. Aber auch zu China, das Ban ebenfalls unterstützt, hat der Südkoreaner einen guten Draht. Experten befürchten deswegen, dass Ban das für die längst überfällige Reform der Vereinten Nationen notwendige Durchsetzungsvermögen fehlt. Denn damit die Vetomächte auf einen Teil ihrer Vorrechte verzichten, wie von der Mehrzahl der Mitglieder seit langem gefordert, müsste er sich mit ihnen anlegen.

Ban ist sich seines Bildes in der Öffentlichkeit bewusst und versucht, es zu entkräften: „Von außen mag ich zwar weich wirken, aber ich verfüge über die nötige innere Kraft, wenn es darauf ankommt.“ Angesichts der neuesten Drohung Nordkoreas, Atomtests durchzuführen, könnte Bans Verhandlungsgeschick und seine Erfahrungen mit dem Nachbarnland schon bald auf die Probe gestellt werden.

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