Andrew Z. Fire von der Standford University School of Medicine und Craig C. Mello von der University of Massachusetts Medical School wurden für ihre Forschung auf dem Gebiet der RNA-Interferenz ausgezeichnet. Das teilte das Nobelpreiskomitee des Karolinska Instituts am Vormittag mit. Die Wissenschaftler haben maßgeblich zur Entwicklung dieses zukunftsträchtigen, medizinisch hochrelevanten Gebiets beigetragen, indem sie zeigten, dass die so genannte small interfering RNA für die Regulation von Genen doppelsträngig sein muss.

Die RNA-Interferenz ist ein universelles Konzept in der Welt der Lebewesen: Sie tritt bei Pflanzen, Tieren und auch beim Menschen auf und bestimmt zu einem wesentlichen Teil, welche Gene aus der Fülle der vorhandenen Erbinformation auch wirklich genutzt werden. Gene bestehen fast immer aus doppelsträngiger Desoxyribonukleinsäure (DNA) und bergen einen Code aus vier Buchstaben. Dieser Code wird erst gelesen und dann zumeist in biologische Eiweiße übersetzt, die für die unterschiedlichsten Strukturen und Prozesse im Körper verantwortlich sind. Ob eine Zelle ein bestimmtes Protein und damit das Gen auch wirklich benötigt, schien lange Zeit durch so genannte Transkriptionsfaktoren bestimmt zu sein. Der Ribonukleinsäure (RNA) dagegen kam in klassischen Konzepten nur die Rolle einer einsträngigen Botensubstanz zu bis Ende der 90er Jahre die RNA-Interferenz entdeckt wurde.

Das Schlüsselexperiment zum Verständnis dieses Prozesses veröffentlichten Andrew Fire und Craig Mello 1998 im Wissenschaftsjournal Nature : Sie zeigten, dass die Muskelfunktion des Fadenwurms Caenorhabditis elegans durch RNA beeinflusst wurde und zwar durch RNA, die doppelsträngig und passend zur entsprechenden Gensequenz des Erbguts war. Solche komplementären Strukturen verhalten sich ähnlich wie die Pole eines Magneten: Sie ziehen einander an. Lagert sich die RNA an die BotenRNA, kann diese nicht mehr gelesen und übersetzt werden. Man sagt, die RNA interferiere mit der Funktion des Erbguts. Mello und Fire waren die ersten, die dieses Prinzip im Experiment belegten.

Das Umwälzende an der RNA-Interferenz ist jedoch nicht nur, dass sie der kleinen, instabilen Ribonukleinsäure eine bedeutende Funktion in der Regulation des Lebens zukommen lässt. Sie kratzt auch am zentralen Dogma der Genetik, dem zufolge der Fluss genetischer Information seinen Ursprung in der DNA hat, und über Boten-RNA schließlich in die Sequenz von Eiweißen mündet. Die RNA-Interferenz ist diesem Informationsfluss jedoch übergeordnet und bietet damit auch eine vollkommen neue, grundlegende Möglichkeit, in die Regulation unserer Gene einzugreifen, ohne die Gene selbst dabei zu verändern. In den vergangenen Jahren sind bereits viele Details der RNA-Interferenz erforscht worden. Zahlreiche dieser Erkenntnisse lassen auf neue Therapien für schwere Krankheiten hoffen.

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